• Künstler:in Wilhelm Ballmann
  • Titel Mädchenfiguren Portal Elisabeth-Gymnasium
  • Jahr 1903–1905
  • Kategorie Skulptur
  • Material Sandstein
  • Standort aktuell / Jahr D 7, 8, Eingang Elisabeth-Gymnasium,

Wilhelm Ballmann (1887–1914)

Der Bildhauer studiert in Berlin, Karlsruhe und Frankfurt, wo er am Städelschen Institut, dem Städel Museum, beschäftigt ist. Er bezeichnet sich als akademischer Bildhauer, lässt sich in Mannheim nieder und arbeitet mit dem Bildhauer Franz Gelb zusammen. Sein Tod in den ersten Monaten nach Kriegsbeginn ist ungeklärt, wahrscheinlich ein Selbstmord, bedingt durch die kriegsbedingte Schließung seiner Werkstatt, den drohenden Ausfall von Aufträgen und einer möglichen Einberufung.
Wie viele andere Bildhauer arbeitet er für das Mannheimer Hochbauamt unter der Leitung von Richard Perrey am figürlichen Bauschmuck städtischer Gebäude. In zeitgenössischen Publikationen bleibt er oft ungenannt, wie die meisten seiner Kollegen.
Von Ballmann finden sich noch andere Arbeiten in Mannheim:

  • der Jubiläumsbrunnen auf dem Bahnhofsvorplatz (Allegorie auf das Gedeihen Mannheims, 1907, nicht mehr vorhanden)
  • das Grabmal des Predigers der Freireligiösen Gemeinde Karl Scholl (Büste 1907, erhalten)
  • das Grabmal der Sängerin Dina Voisin-van der Vijer auf dem Hauptfriedhof (Trauernde Mädchengestalt, 1909, erhalten) - - - einige der Apostelfiguren am Kuppelumgang der Christuskirche Mannheim.

Zur Arbeit

Die Elisabethschule in D 7, 8 entstand 1903–1905 nach den Plänen von Richard Perrey als höhere Mädchenschule. Mit der Fassade des Schulgebäudes lehnt sich Perrey an die regionale Architekturtradition an. Sie zeigt Anklänge an die Renaissanceformen des Heidelberger Schlosses.
Die Planungsphase fällt mit dem Höhepunkt der Kunsterziehungsdiskussion im Deutschen Reich zusammen. Die Fassade ist geschmückt mit vier Mädchenfiguren, welche die damalige Vorstellung idealer junger Frauen aus dem Großbürgertum verkörpern. Höhere Töchter sollen auf ihre Bestimmung als Gattin eines wohlhabenden Ehemanns vorbereitet werden. Sie sollen einem repräsentativen Haushalt vorstehen, geistreiche Konversation führen und als Salonière den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Familie bilden können.
Die Mädchenfiguren sind mit Handarbeiten beschäftigt, singen, sprechen oder schlendern umher. Der Künstler schuf die Figuren nach lebenden Vorbildern.

Ballmann, Elisabeth Portal
Ein Mädchen steht Modell. Foto: Privat
Ballmann, Elisabeth Portal
Ballmann mit fertiger Figur. Foto: privat, ca. 1905

Die Modelle, vermutlich Schülerinnen, trugen die Kleidung und ahmten die Haltung nach, die für die Skulpturen vorgesehen waren. Das damalige Mädchenideal drückt sich im Strickzeug, dem züchtig hochgeschlossenen Kleid sowie im sittsam gesenkten Blick aus.

Die vier Figuren umrahmen die beiden Portale des Haupteingangs. Links ist ein Mädchen mit einer Strickarbeit beschäftigt, eine Katze vergnügt sich mit dem zu Boden gefallenen Wollknäuel.
Den Mittelpfeiler schmückt ein Mädchenpaar. Die heute nicht mehr vollständigen Figuren hielten ein Band oder eine Schriftrolle. Ihre Gesichter sind konzentriert und scheinen etwas zu singen oder aufzusagen.
Rechts wandelt ein Mädchen müßig umher, mit einem weiten Gewand und einer Handtasche ausgestattet. Den Sonnenhut lässig in den Nacken geschoben, scheint die Spaziergängerin den Augenblick zu genießen.
Die Figuren stehen auf gedrungenen Säulen, deren Kapitelle aus ornamentalen pflanzlichen Elementen mit grotesken Fratzen gebildet sind.
Die Plastiken sind teilweise beschädigt. Bei manchen sind Teile der Arme und Hände abgebrochen. Sie zeugen heute von einer Zeit, in der die Gleichstellung von Mann und Frau noch in weiter Ferne lag. (VK)