• Künstler:in Erwin Bechtold
  • Titel o. T. (Fassade des Reiß-Museums)
  • Jahr 1988
  • Kategorie Wandobjekt
  • Material Glas, Granitplatten und Pflastersteine
  • Objektmaße (ohne Sockel) H 1400 cm
  • Standort aktuell / Jahr D 5, 68159 Mannheim

Erwin Bechtold (1925–2022)

Erwin Bechtold wird 1924 in Köln geboren. Er absolviert dort eine Ausbildung zum Drucker und Setzer und erhält 1950 das Meisterdiplom.
Von 1950 bis 1951 ist Bechtold Schüler an der Malschule von Fernand Léger in Paris. Nach Aufenthalten in Barcelona und Berlin lebt er seit 1958 auf Ibiza.
Seine künstlerischen Schwerpunkte liegen zunächst in der Malerei und Gebrauchsgrafik. Nach figürlichen Anfängen entwickelt er ab 1968 einen streng geometrischen Bildaufbau. Bechtold ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund an dessen Jahresausstellung er zwischen 1971 und 1990 dreizehn Mal teilnimmt.

Ab 1977 wendet er sich verstärkt Fragen von Raum und Architektur zu. Das Einzelbild verliert für ihn zunehmend an Bedeutung und geht in architektonisch integrierte Arbeiten über. Am 2. September 2022 stirbt Erwin Bechthold in Santa Eulària des Riu auf Ibiza.

Zur Arbeit

Von 1980 bis 1988 entsteht die „4-Riss-Fassaden“ des neu gebauten Reiß-Museums in D 5 aus Pflaster, Granitplatten und Glas.

Der Architekt Carlfried Mutschler (1926–1999) erhält mit seinem Wettbewerbsentwurf „Risse“ den Zuschlag für die Ausführung des Neubaus „Museum Weltkulturen“ der Reiss-Engelhorn-Museen. Mutschler entscheidet sich für die Zusammenarbeit mit Bechtold, der bereits unmittelbar nach der Wettbewerbsentscheidung in der anschließenden Überarbeitsphase in das Projekt eingebunden wird. Dadurch gelingt eine echte Integration der künstlerischen Arbeit in den Entwurfsprozess und somit in die Gestaltung des Bauwerks. Bechtold entwirft die Fassade, während Mutschler für den Gesamtbau und damit auch für die technische Umsetzung der Fassade verantwortlich ist.

Erwin Bechtold, o. T. (Fassade des Reiß-Museums)
Foto: St. Rothenstein
Erwin Bechtold, o. T. (Fassade des Reiß-Museums)
Foto: St. Rothenstein

Die Gestaltung der Fassade soll bereits visuell auf einfache, aber ausdrucksstarke Weise auf den Inhalt des Gebäudes hindeuten. Die „Risse“ symbolisieren dabei einerseits Elemente einer Ruine – zerbrochene, verwitterte Fundstücke aus vergangener Zeit – und andererseits eine aufgebrochene Schatzkammer, die ihr Inneres preisgibt. Sie sind damit zugleich Erkennungsmerkmal für Ausgrabungen und Ruinen. Jeder Riss ist an den jeweiligen Kanten zur Öffnung hin verglast. Der Betrachter, der an der Gebäudeecke steht, kann zwei Seiten gleichzeitig sehen. Dabei entstehen visuelle Verbindungen: Bruchkanten der einen Seite setzen sich als Linien auf der benachbarten Seite fort.

Von außen erscheint das Glas dunkel und nahezu undurchsichtig, während der Blick von innen nach außen nicht eingeschränkt ist. Die Glasflächen sind innen hell und klar, während die Risskanten nahezu schwarz erscheinen. Die Eindrücke verändern sich bei Nacht, wenn das Gebäude beleuchtet ist. Die Fassade wirkt wie eine versinnbildlichte Schatzkammer.

Der Scherbenbrunnen an der Seite gegenüber zu E 5 (Rathaus) ist nicht das Werk eines einzelnen Künstlers, sondern wurde als Bestandteil des Neubaus vom Architekten selbst geplant. Der Brunnen besteht aus archäologischen Fundstücken, die bei den Ausschachtungsarbeiten vor Ort entdeckt wurden.
Der pyramidenförmige Bau verbindet die moderne Architektur des Museums mit der historischen Substanz des Ortes. (CS)