• Künstler:in Franz Bernhard
  • Titel Die große Mannheimerin
  • Jahr 1993
  • Kategorie Plastik
  • Material Cor-Ten-Stahl
  • Objektmaße (ohne Sockel) 1285 cm x 1250 cm x 250 cm
  • Standort aktuell / Jahr Wilhelm-Varnholt-Allee 1, 68165 Mannheim, 1993

Franz Bernhard (1934-2013)

Franz Bernhard wird in Neuhäuser im heutigen Tschechien geboren und wächst in Siegelsbach im Landkreis Heilbronn auf. Nach einer Schreinerlehre studiert er ab 1959 Bildhauerei bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm an der Kunstakademie Karlsruhe. 1963 erhält er ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und beendet sein Studium 1966. 1972 zieht er ins pfälzische Jockgrim, wo er bis zu seinem Tod lebt. Vielfach für seine bildhauerischen Arbeiten geehrt, war er 1977 auch Teilnehmer an der documenta 6.

Zur Arbeit

Franz Bernhards Plastiken sind meist aus Holz und Eisen gefügt. Sie besetzen den Raum als offene, lineare Konstruktionen oder als kompakte Gebilde. Ihr Vokabular besteht aus Bögen, Winkeln, Blöcken, aus stereometrischen Formen, die häufig den Eindruck von Gerätschaften erwecken.

Die Titel verweisen jedoch auf Entgegengesetztes: Ausgangs- und Bezugspunkt ist die menschliche Gestalt. „Als Mensch interessiert mich der Mensch. Als Bildhauer interessiert mich das Bild des Menschen. Ich beschäftige mich mit plastischen Möglichkeiten und mit dem menschlichen Modell … Ich strebe kein naturgetreues Abbild an, sondern etwas wie ein anthropomorphes Zeichen“, so der Künstler. Dieses Zeichen entwickelte Bernhard in einem Prozess der Reduktion, in dem die Bezüge zur menschlichen Figur immer erhalten bleiben.

Seine Arbeiten besetzen somit den schmalen Grat zwischen Abstraktion und Figuration, sie können als Torso eines menschlichen Körpers, aber auch als abstrakte Raumplastik gelesen werden. Seit den 1990er-Jahren interessiert den Künstler auch die Umsetzung labiler Zustände in plastische Formen, mit denen er Sinnbilder für die Fragilität menschlicher Existenz schafft.

Diese Fragestellung liegt auch der „Großen Mannheimerin“ zugrunde. Mit 13 Metern Höhe hebt sie sich dominant vor der architektonischen Umgebung ab und begrüßt die von der Autobahn Kommenden. Die aus Cor-Ten-Stahlplatten zusammengeschweißte Figur besteht aus einem „Beinpaar“, von denen nur eines auf dem Boden aufsetzt. Aus diesem Unterkörper ragt ein langer, halsartiger Körper schräg in die Luft, so dass man den Eindruck hat, die Figur tanze oder schwanke, um jeden Moment umzustürzen. Es ist diese labile Dynamik, diese Ambivalenz zwischen spielerischer Leichtigkeit und bedrohter Stabilität, die den besonderen Reiz der Arbeit ausmacht.
Die Arbeit entstand im Kontext einer Ausschreibung der Südwest LB, die einen Wettbewerb für eine Skulptur auf der Augustaanlage ausgelobt hatte. Robert Schad gewann den Wettbewerb, doch auch der Entwurf von Franz Bernhard wurde dank einer zusätzlichen Spende der Südwest-LB realisiert. (IH)