Bernhard Bleeker (1881–1968)
Bernhard Bleeker gilt als ein Hauptvertreter der Münchner Bildhauerschule und des Neoklassizismus im frühen 20. Jahrhundert. Sein umfangreiches künstlerisches Werk wird allerdings durch seine Tätigkeit für das NS-Regime überschattet.
Bleeker, Sohn eines Kleidermachers und einer Hutmacherin, wird in Münster geboren. Nach dem Abbruch einer Steinbildhauerlehre in seiner Heimatstadt zieht er 1899 nach München, wo er ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste absolviert. In der Folge etabliert er sich als freischaffender Künstler und entwickelt sich stilistisch vom Historismus hin zu einer klassisch geprägten Formensprache. 1919 wird er als Lehrer, 1922 als Professor an die Münchner Kunstakademie berufen. Als Mitglied der NSDAP, der er bereits 1932 beitritt, ist er in das Kunstsystem des Regimes eingebunden, gerät jedoch teilweise in Konflikt mit dessen Vertretern. Ungeachtet dessen erhält er weiterhin Aufträge von Partei und staatlichen Stellen. Eine von ihm geschaffene Porträtbüste Hitlers wird mehrfach reproduziert und in verschiedenen Parteigebäuden aufgestellt. Joseph Goebbels nimmt ihn 1944 in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste auf – ein Verzeichnis von Künstlern, die das Regime als besonders bedeutsam einstuft und unter besonderen Schutz stellt.
Nach 1945 wird Bleeker zunächst aus der Münchner Kunstakademie entlassen und im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft. Kurze Zeit später ist er bereits wieder künstlerisch tätig, beteiligt sich an Ausstellungen und wird zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt. Bis zu seinem Tod 1968 bleibt er München verbunden.