• Künstler:in Bernhard Bleeker
  • Titel Jüngling mit Stab
  • Jahr 1934
  • Kategorie Plastik
  • Material Bronze
  • Standort aktuell / Jahr Unterer Luisenpark, nahe Bassermannstraße 30, 68165 Mannheim, 1950

Bernhard Bleeker (1881–1968)

Bernhard Bleeker gilt als ein Hauptvertreter der Münchner Bildhauerschule und des Neoklassizismus im frühen 20. Jahrhundert. Sein umfangreiches künstlerisches Werk wird allerdings durch seine Tätigkeit für das NS-Regime überschattet.
Bleeker, Sohn eines Kleidermachers und einer Hutmacherin, wird in Münster geboren. Nach dem Abbruch einer Steinbildhauerlehre in seiner Heimatstadt zieht er 1899 nach München, wo er ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste absolviert. In der Folge etabliert er sich als freischaffender Künstler und entwickelt sich stilistisch vom Historismus hin zu einer klassisch geprägten Formensprache. 1919 wird er als Lehrer, 1922 als Professor an die Münchner Kunstakademie berufen. Als Mitglied der NSDAP, der er bereits 1932 beitritt, ist er in das Kunstsystem des Regimes eingebunden, gerät jedoch teilweise in Konflikt mit dessen Vertretern. Ungeachtet dessen erhält er weiterhin Aufträge von Partei und staatlichen Stellen. Eine von ihm geschaffene Porträtbüste Hitlers wird mehrfach reproduziert und in verschiedenen Parteigebäuden aufgestellt. Joseph Goebbels nimmt ihn 1944 in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste auf – ein Verzeichnis von Künstlern, die das Regime als besonders bedeutsam einstuft und unter besonderen Schutz stellt.

Nach 1945 wird Bleeker zunächst aus der Münchner Kunstakademie entlassen und im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft. Kurze Zeit später ist er bereits wieder künstlerisch tätig, beteiligt sich an Ausstellungen und wird zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt. Bis zu seinem Tod 1968 bleibt er München verbunden.

Bernhard Bleeker, Jüngling mit Stab
Foto: nach 1950, MARCHIVUM
Bernhard Bleeker, Jüngling mit Stab
Foto: St. Rothenstein

Zur Arbeit

Die Skulptur zeigt einen nackten jungen Mann in ruhiger, aufrechter Haltung. In der rechten Hand hält er einen auf den Boden gestützten Speer, der die athletische Figur als Speerwerfer charakterisiert und zugleich die vertikale Ausrichtung der Komposition betont. Die leichte Gewichtsverlagerung des Jünglings entspricht dem klassischen Motiv des Kontraposts mit Stand- und Spielbein. Stilistisch steht die Skulptur in der Traditionslinie der Antikenrezeption, die von der Renaissance über den Klassizismus bis hin zum Neoklassizismus im Nationalsozialismus reicht. In der Lesart der NS-Zeit erfährt der Jüngling propagandistisch aufgeladene Deutungen: Er wird als heimkehrender Krieger und als scheinbar ideale Verbindung von Sportlichkeit und erhabenem Menschentum glorifiziert.
Als Bronzeguss existiert die Skulptur in weiteren Exemplaren: Eines befindet sich auf einem Münchner Friedhof, ein anderes im Litzenseepark in Berlin. 1940 wird die Statue auf der Deutschen Kunstausstellung in München gezeigt. Ein Jahr später erwirbt die Kunsthalle Mannheim das Werk, das 1950 im Unteren Luisenpark aufgestellt und dabei inhaltlich neu gedeutet wird: als trauernder Jüngling, aber auch als hoffnungsvoller jugendlicher Genius. Die Skulptur soll das von den Nationalsozialisten zerstörte Denkmal von 1924 für Ludwig Frank ersetzen – den im Ersten Weltkrieg gefallenen bedeutenden Sozialdemokraten und jüdischen Bürger Mannheims.

Zunächst am Standort des alten Denkmals am Rand des Parks zur Renzstraße hin platziert, wird der Jüngling 1963 im Zuge einer Straßenverbreiterung an die heutige Stelle versetzt. Der im Zuge der Umwidmung geschaffene Sockel verweist in seiner Inschrift nicht nur auf das Gedächtnis Ludwig Franks, sondern auch auf alle Opfer des Ersten Weltkriegs.
Angesichts des nationalsozialistischen Kontextes ist die Entscheidung der Nachkriegszeit, Ludwig Frank mit der Skulptur zu ehren, aus heutiger Perspektive problematisch. Seit Ende 2025 wird das Werk daher durch eine STADTPUNKTE-Stele ergänzt, die das heutige Ludwig-Frank-Denkmal historisch einordnet und kritisch beleuchtet. (AS)