• Künstler:in Hans Bogler
  • Titel Walzwerker oder Eisenmann
  • Jahr 1938
  • Kategorie Plastik
  • Material Gußeisen
  • Standort aktuell / Jahr Ecke Humboldtstraße/Riedfeldstraße, 68169 Mannheim

Hans Bogler (1910-1994)

Hans Bogler wird 1910 in Neunkirchen/Saar geboren. Er lernt im dortigen Eisenwerk, später bei der Kokerei. Ab 1928 besucht er Abendkurse für Malerei an der Staatlichen Saarländischen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken.
Neben seiner Tätigkeit als Hüttenarbeiter nimmt er an der genannten Kunstschule 1929 ein Studium auf: zuerst der Malerei, ab 1932 der Bildhauerei. Das Studium schließt Bogler 1936 als geprüfter Holzbildhauer ab. Nach kurzer freier Tätigkeit und Weiterarbeit im Eisenwerk setzt er seine Studien 1938 bis 1940 an der Akademie für Angewandte Kunst in München fort, dann folgen Kriegsdienst und -gefangenschaft in Minsk/Weißrussland.
Nach seiner Rückkehr 1949 lässt er sich als freischaffender Künstler in seinem Geburtsort Neunkirchen nieder. Von 1973 bis zu seinem Tode 1994 ist er Vorsitzender des 1958 gegründeten Neunkircher Künstlerkreises.
Einige seiner Werke, wie „Mutter und Kind“ im Stadtpark Neunkirchen von 1955 oder die Marienfigur am Brunnen auf dem Großen Markt in Saarlouis von 1956, stehen inzwischen auf der Denkmalliste des Saarlandes.

Zur Arbeit

Die gusseiserne Figur, von der mindestens drei Abgüsse bekannt sind, zeigt in lebensechter Größe einen „Walzwerker“ oder „Eisenmann“. Kleinere Replikate sind bis heute auf dem Kunstmarkt erhältlich.
Die Aufstellung der Plastik wird im Zuge des Stadtentwicklungsprogramms der Neckarstadt-West, konkret in das Programm „Verkehrsberuhigung Humboldtstraße“ eingebunden. Dabei wird im Februar 1986 an ein Kunstwerk gedacht, das zum Thema nachbarschaftlicher Plausch („Klatschbasen“) passen könnte. In die Findung eines geeigneten Denkmals wird auch der Bezirksbeirat eingebunden, der im September desselben Jahres in der Kunsthalle die dort verwahrte Plastik, damals noch unter dem Namen „Fabrikarbeiter“ bzw. „Grubenarbeiter“, besichtigt. Die Resonanz ist nicht ausnehmend positiv. Dennoch einigen sich die Vertreter bei einem weiteren Ortstermin auf die Figur, die auf einem Hochbeet an der Ecke Humboldtstraße/Riedfeldstraße im Sommer 1987 aufgestellt wird. Sie ist eine Leihgabe der Kunsthalle Mannheim, die das Werk 1985 von der Firma Röchling/Völklingen als Schenkung erhielt.

Dass die Figur in den 1980er-Jahren nicht ungeteilten Zuspruch findet, ist in der schon sehr traditionellen, vor allem heroisierenden Gestaltung des „Walzwerkers“ begründet, dessen Entstehung zudem in das Jahr 1938 zurückführt. Denn damals wird sie von Bogler für das Feierabendhaus der Eisenwerke Neunkirchen geschaffen und krönt eine Brunnenanlage im Innenhof. Es ist sein erstes großes, öffentliches Kunstwerk. Am 16. Oktober 1938 wird das Haus feierlich als „Zeichen des neuen Geistes“, so der Kreisleiter der NSDAP, eingeweiht. Dass mit Hans Bogler ein Mann aus den eigenen Reihen die eigene Arbeitswelt mit einer Figur thematisiert und ganz im Geist der Zeit heroisiert, wird damals mit Stolz registriert.

Es kennzeichnet die Arbeiten Boglers im öffentlichen Raum insgesamt, dass seine Figuren eher streng und distanziert, aber auch würdevoll wirken. So kommt auch der Walzwerker in sich gekehrt daher. Er fasst sich mit der Rechten an die Kragenöffnung seines Hemdes; die Linke stützt sich auf sein Werkzeug, eine schwere Zange. Die Falten des Hemds und der eher angedeutete Gürtel, der nicht auf den Hüften sitzt, wirken dagegen vergleichsweise lässig und schwungvoll; die Schuhe dagegen klobig. Da die Figur im Innenhof des „Feierabendhauses“ platziert wird, liegt der Gedanke nahe, dass der junge Arbeiter gerade seine Schicht beendet hat und nun den Feierabend erwartet.

Auch wenn die Neckarstadt-West ein traditionelles Viertel von Arbeiter*innen ist, so ist ein Bezug zum Standort beim „Walzwerker“ kaum gegeben, da Stahl- und Eisenwerke hier nie vorhanden waren. Seine nicht nur witterungsbedingten Spuren, sondern auch die Graffiti könnte man als Adaption seiner Umgebung über eine alles andere als unproblematische Entstehungsgeschichte interpretieren. (UN)