• Künstler:in Peter van den Branden
  • Titel Marktplatzbrunnen
  • Jahr 1719
  • Kategorie Brunnen
  • Material Sandstein, Kunstharz
  • Standort aktuell / Jahr Mannheim, G 1 ( Marktplatz)

Peter van den Branden (gest. 1720)

Peter van den Branden, Hofbildhauer und Schüler des flämischen Bildhauers Gabriel de Grupello (1644–1730), steht im Dienst des in Düsseldorf residierenden Kurfürsten Johann Wilhelm. Als 1716 Karl Philipp Kurfürst der Pfalz wird, geht Peter van den Branden mit ihm nach Heidelberg. Zur Ausgestaltung des Heidelberger Schlossparks beauftragt ihn der Kurfürst mit der Figurengruppe der vier Elemente. Von van den Branden stammen u. a. auch die Heidelberger Kornmarktmadonna und Madonnen an Privathäusern.

Johann Matthäus van den Branden (1716–1788)

Sein Sohn Johann Matthäus van den Branden ist ebenfalls Hofbildhauer und Hofstuckateur. Im Auftrag von Kurfürst Karl Theodor und auf Betreiben von Nicolas de Pigage (1723–1796) arbeitet er das von seinem Vater geschaffene Denkmal zu einer Allegorie auf die Stadt Mannheim um und erstellt den Sockel.

Marktplatzbrunnen
Marktplatz, Stich der Gebrüder Klauber 1782
Marktplatzbrunnen
Foto: V. Keller

Zur Arbeit

Die Figurengruppe des Marktplatzbrunnens wird 1719 von Peter van den Branden geschaffen. Die Skulpturen sind für den Heidelberger Schlossgarten als Allegorie auf die vier Elemente bestimmt. Der alte Mann ist der Wassergott, die weibliche Gestalt symbolisiert die Erde, der fliegende Merkur steht für die Luft und für das Feuer die Sonne in seiner Linken. Ein füllhornhaltender Knabe stellt den Reichtum dar.
Kurfürst Karl Theodor lässt die Figurengruppe 1763 nach Schwetzingen bringen und sie dort an der Orangerie aufstellen. Doch seinem zuständigen Architekten Nicolas de Pigage passt sie nicht ins Konzept. Karl Theodor überlässt die Figuren 1767 der Stadt Mannheim mit der Auflage, sie zu einem Brunnen umzugestalten und verfügt, dass die Stadt auch alle entstehenden Kosten übernehmen möge.

Der Stadtrat vergibt die Arbeit an Johann Matthäus van den Branden, den Sohn des ursprünglichen Bildhauers. Die Erde wird mit Mauerkrone und dem Stadtplan zur Stadtgöttin Mannheimia umgearbeitet. Aus dem Luftgott wird der Handelsgott Merkur, der, in Umarmung mit Mannheimia, die Sonne des Wohlstandes über der Stadt leuchten lässt. Den Reichtum der Handelsstadt symbolisiert der Knabe mit dem Füllhorn. Der Flussgott wird zum Vater Rhein. Eine neue Figur entsteht auf der Rückseite des Denkmals: Eine junge männliche Gestalt thematisiert den Neckar. Beide Flussgötter sind an den ausfließenden Gefäßen zu erkennen.

Als die Gruppe im Herbst 1769 aufgestellt wird, sind die Kosten schon auf 3258 Gulden angestiegen. Nur zögerlich bewilligt der Stadtrat auch die Plastiken des Sockels. Die Ausgussöffnungen der Brunnen thematisieren die vier die Kurpfalz durchziehenden Flüsse: Rhein, Neckar, Mosel (wegen Sponheim) und Donau (wegen Neuburg). Eine Analogie zu den vier Paradiesflüssen ist kein Zufall: die Pfalz als Garten Eden. Reizvolle fischschwänzige Putten nehmen mit Paddeln Bezug auf Wasser, Tiere und Gemüse verweisen auf den Speisemarkt.
Im Herbst 1771 hat Johann Matthäus van den Branden die Sockelplastik fertiggestellt. Sie kostet jetzt insgesamt 5558 Gulden, das war ungefähr ein Viertel der gesamten Jahreseinnahmen der Stadt.
Die Inschriften am Marktplatzdenkmal in lateinischer Sprache nehmen auf die Schenkung Karl Theodors Bezug, auf die Aufstellung des Monuments in Heidelberg und Schwetzingen und nennen als Jahr der Fertigstellung auf dem Marktplatz 1771. 
Und natürlich preist sich der Kurfürst selbst: „Nun preiset euer glückliches Los unter einem so großen Fürsten; er liebt euch mehr als sein Vergnügen.“

Auf die im 18. Jahrhundert geplanten Wasserleitungen muss die Stadt über 100 Jahre warten. Zum Brunnen wird das Monument erst 1888 mit dem Bau des Wasserwerks, des Wasserturms und der zentralen Wasserversorgung.
Bei der Beschießung des Stadt 1795 verlieren zwei Figuren einen Arm. Die Schäden behebt der Bildhauer Maximilian Joseph Pozzi (1770–1842).
Im Zweiten Weltkrieg wird das Monument schwer beschädigt. Die Figur des jungen Flussgottes muss von Carl Trummer (1906–1957) komplett ersetzt werden. 1958 bricht der Kopf des Merkurs ab und zerschmettert die Arme zweier Figuren. Die Modelle für den Ersatz liefert Gerd Dehof (1924–1989).
1978 wird unter dem Marktplatz eine Tiefgarage gebaut. Das Denkmal wird zerlegt, restauriert und 1981 durch Hans Volker Dursy (1925–1991) durch eine Kunstharzkopie der Figurengruppe ersetzt. Die Originalteile befinden sich im vom Verein Stadtbild Mannheim e. V eingerichteten Lapidarium. Der Original-Sockel wird auf dem Marktplatz wiederverwendet.

Seit 2003 gibt es das Schutznetz gegen Tauben. 2009/10 wird der Denkmalbrunnen restauriert und durch den Verein Stadtbild Mannheim e. V das Ziergitter nach historischer Vorlage hinzugefügt, rekonstruiert und ausgeführt von Martin Wilperath. Der Messingring an der Südseite verrät, wenn man ihn dreht, das Geheimnis der Mannheimia. (VK)