Gisela von Bruchhausen (1940-2025)
Gisela von Bruchhausen ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der deutschen abstrakten Stahlplastik, die sich in den 1980er-Jahren entwickelt. Sie studiert von 1978 bis 1984 Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin u. a. bei Phillip King. Zusammen mit Klaus Duschat, Klaus H. Hartmann, Hartmut Stielow, David Lee Thompson und Gustav Reinhardt gründet sie 1982 in Berlin die Künstlergruppe „Odious“, die vorwiegend in Eisen bzw. Stahl arbeitet. Von 1989 bis 1990 hat sie einen Lehrauftrag an der Hochschule der Künste Berlin. 2001 erhält sie ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds e. V. Bonn. Im Sommer 2008 nimmt sie eine Gastdozentur in Hangzhou (China) an. Bis zu ihrem Tod lebte Gisela von Bruchhausen in Berlin und Damsdorf (Lehnin).
Zur Arbeit
„Ich arbeite mit Stahl, weil ich dessen Eigenschaften liebe: seine Geschmeidigkeit, seine Spannkraft und die Möglichkeit der punktuellen Verbindung“, so die Bildhauerin. In ihren Plastiken verbindet sie Bänder- und Schleifenformen mit Stangen- und Drahtelementen, die zu schweren Flächenelementen in Kontrast stehen und eine starke räumliche Wirkung entwickeln. Neben farbiger Bemalung einzelner Teile erzielt sie seit 1985 zusätzliche Spannung, indem sie Stahl mit Acrylglas kombiniert. Die Farben Blau und Schwarz sind für ihre Außenarbeiten bestimmend.
Das für ihr Werk typische Prinzip der Verklammerung verschiedener Elemente zu transparenten Gitterstrukturen oder Rahmenkonstruktionen zeichnet auch die 1990 entstandene Arbeit „Das Fenster im Freien“ aus.
Kennzeichnend für die schwarz gefasste Plastik, die durch blaue Bemalung einzelner Teile Akzentuierung erfährt, ist ihr architektonischer Charakter. Die Formen, zum Teil kantig, zum Teil mit gerundeter Kontur, bilden eine Art Gehäuse, öffnen sich aber gleichzeitig zum Umraum und definieren damit eine räumliche Situation. Dieses Wechselspiel zwischen innen und außen, zwischen offen und geschlossen ist auch im Titel angesprochen. Damit verwandeln sich Härte und Wucht, die dem Stahl eigen sind, in Poesie und spielerische Harmonie. (IH)