Karl Cauer (1828–1885)
Karl Cauer wächst in einer Bildhauerfamilie in Bad Kreuznach auf und beginnt seine Ausbildung bei seinem Vater Emil Jacob Cauer. Nach einer künstlerischen Ausbildung in Berlin geht er 1848 nach Rom, wo er mit einigen Unterbrechungen bis 1862 bleibt. Mit seinem Bruder leitet er ein gemeinsames Atelier in Bad Kreuznach und zeitweise in Rom. Cauer schuf zahlreiche Denkmäler, Porträts und Skulpturen im klassizistischen Stil. Er ist zu seiner Zeit ein sehr bekannter Künstler. Er orientiert sich an der antiken Kunst und verbindet in seinen bildhauerischen Arbeiten klassische Formen mit realistischer Darstellung.
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Zur Arbeit
Theatralisch streckt Schiller seinen rechten Arm mit offener Handfläche nach vorne. Mit weit ausladendem Schritt schreitet er auf dem Schillerplatz in B 3 nach vorne. Er wirkt sehr entschlossen, in der linken Hand hält er ein Manuskript.
Es ist ein sehr kraftvoller Schiller, der sich mit großer Bewegung Raum verschafft, überhaupt nicht weltentrückt, und er unterscheidet sich durch seine Dynamik von den vielen Schillerdenkmälern, die im Kontext seines 100-jährigen Geburtstages 1859 überall in den deutschen Ländern aufgestellt werden.
Hier in Mannheim ist er nicht der lorbeerbekränzte und in Gedanken versunkene Denker, einen schweren Mantel auf seinen Schultern. Nein – sein Mantel hängt ihm lässig über dem linken Arm und schleift sogar auf dem Boden! Er trägt einen bürgerlichen Gehrock und steht damit für die Ideen eines liberalen Bürgertums.
„Ich habe der Figur die Stellung gegeben, als ob er den Schauspielern sein Werk erkläre, wovon der das Manuskript in den Händen hält“, so beschreibt der Bildhauer Karl Cauer sein Modell, als er es den städtischen Honoratioren vorstellt.
Das Schillerdenkmal bedeutet den Mannheimer:innen seit Jahrzehnten sehr viel. Seine Entstehungsgeschichte beginnt mit dem 100. Geburtstag Schillers im November 1859, der deutschlandweit und auch im Mannheimer Nationaltheater in B 3 ausgiebig gefeiert wird: Der Theaterplatz wird umgetauft in „Schillerplatz“, in der heutigen Neckarstadt in Höhe des späteren Alten Messplatzes bzw. vor der Feuerwache wird eine „Schiller-Linde“ gepflanzt. Der damalige Oberbürgermeister Heinrich Diffené ruft die Bevölkerung zu Spenden für ein Denkmal auf. Verschiedene Künstler legen ihre Entwürfe vor. Die Stadt entscheidet sich für den Entwurf von Karl Cauer, der zu dieser Zeit in Rom lebt. Die Arbeit wird von der damaligen königlichen Erzgießerei in München ausgeführt, damals aufgrund ihres technischen Niveaus international bekannt.
Bis das Werk vollendet ist und nach Mannheim kommt, dauert es zwei Jahre. Die feierliche Enthüllung am 9./10. November 1862 ist ein großes städtisches Ereignis in der damals etwa 27.000 Einwohner zählenden Stadt. Es gibt einen Festzug, viele Ansprachen, Musik, Hurra-Rufe. Vor dem Theater werden in den folgenden Jahren noch weitere Denkmäler aufgestellt für den ehmaligen Intendanten Heribert von Dalberg (1866) und den berühmtesten Starschauspieler am Nationaltheater, August W. Iffland (1864).
1945, nach Kriegsende, kommen das Schiller-, das Dalberg- und das Iffland-Denkmal in eine Werkstatt in der Neckarstadt, um die Kriegsschäden daran auszubessern. Das Iffland-Denkmal, stark zerstört, dient als Materiallieferant für Schiller und Dalberg und wird nicht mehr aufgestellt.
In den frühen 1950er-Jahren beginnt in der Stadt eine Diskussion zur Wiederaufstellung. Im Gespräch sind mehrere Orte: der Sockel des Bismarck-Denkmals, das zu dieser Zeit eingelagert ist, oder der leere Sockel des Moltke-Denkmals, das im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurde. Es gibt auch Vorschläge, Schiller vor dem neu geplanten Theater am Goetheplatz aufzustellen oder doch wieder am Schillerplatz – der ist aber zu dieser Zeit noch sehr von der Zerstörung der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg geprägt.