• Künstler:in Madeleine Dietz
  • Titel Schatzkästchen
  • Jahr 1998
  • Kategorie Skulptur
  • Material Buntsandstein und Stahl
  • Objektmaße (ohne Sockel) 334 cm x 248 cm x 106 cm
  • Standort aktuell / Jahr Luisenpark, Theodor-Heuss-Anlage 2, 68165 Mannheim, im Park Heinrich-Vetter-Weg, 1998

Madeleine Dietz (*1953)

Die in Mannheim geborene Künstlerin studiert von 1969 bis 1973 an der Werkkunstschule in Mannheim Buchgrafik und Buchillustration. 1986 entstehen erste Videoarbeiten, Performances, Rauminstallationen, gefolgt 1992 von ersten Lichtinstallationen. Immer wieder kombiniert sie seither in ihren Arbeiten die gegensätzlichen Materialien Erde/Lehm und Stahl. Arbeitsstipendien führen sie nach Paris, Cité Internationale des Arts (1996), nach Florenz, Villa Romana (1997) und nach Houston, Texas/USA (1998). 1999/2000 erhält sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste Saarbrücken. Ihr Werk ist mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Daniel-Henry Kahnweiler-Preis für Bildhauerei und Plastik (1992), dem Ernst-Barlach-Preis, Hamburg (2003) und dem Pfalzpreis des Bezirksverbandes Rheinland-Pfalz für ihr Lebenswerk (2024).

Zur Arbeit

Madeleine Dietz sucht in ihren Arbeiten nicht nur den Dialog mit den Betrachtenden, sie stellt ihn ins Zentrum ihres Werkes, indem sie Fragen von existenzieller Bedeutung aufwirft: Die Würde des Menschen, seine Position im natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen, zwischen Geburt und Tod, sein Verhältnis zur Natur, die Bedeutung von Glauben und Religion. Nicht von ungefähr finden sich ihre Arbeiten auch im sakralen Raum.

Sie gestaltet auch Werke, die sich auf spezielle räumliche Bedingungen beziehen. Dabei arbeitet sie konsequent mit dem ursprünglichsten, symbolkräftigsten aller Materialien, der Erde – Sinnbild für Anfang und Ende irdischer Existenz. In stetigem Kreislauf bildet sich aus diesem scheinbar toten Material, belebt durch Samen und Wasser, immer wieder die Basis für neues Leben. Die Erde markiert den Anfang des Menschen und das Ende seiner irdischen Existenz.

In vielen Arbeiten von Madeleine Dietz begegnet man sowohl der reinen Erde als auch der von Menschenhand bearbeiteten Kulturform in Gestalt von Ziegeln. In äußerst spannungsreichem Kontrast kombiniert die Künstlerin das Naturmaterial mit dem artifiziellen, streng geometrisch geformten Werkstoff Stahl und visualisiert damit die Polarität, der der Mensch ständig ausgesetzt ist.

Die Arbeit „Schatzkästchen“ besteht aus zwei hohen Steinsäulen mit annähernd quadratischem Grundriss. Sie sind unbehauen und rau, zeigen an einer Seite horizontale Einkerbungen, Spuren der Bearbeitung durch den Menschen. In ästhetischem Kontrast dazu sitzen obenauf die golden glänzenden Schatzkästchen, eines rund, das andere eckig geformt.

Sie sind für den Betrachtenden ohne Hilfsmittel nicht erreichbar, ihr Inhalt bleibt geschützt und verborgen. Die Neugierde ist geweckt, könnte es eine unheilbringende Büchse der mythischen Pandora sein oder ist tatsächlich ein wertvoller Schatz darin? Wie dem auch sei, es bleibt der Fantasie der Parkbesucherinnen und -besucher überlassen, darüber zu sinnieren. (IH)