Zur Arbeit
Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 beherrschen Nationalismus und Militarismus das Denken weiter Kreise der Gesellschaft. Der Tod von Wilhelm I. im Jahr 1888 löst im gesamten Deutschen Reich Initiativen zur Errichtung von Denkmälern zu seinen Ehren aus. Auch Mannheim verfällt in einen „vaterländischen Taumel“.
Auch die beiden ehemals im Ehrenhof aufgestellten Brunnen verherrlichen das deutsche Kaisertum unter Wilhelm I. und sind dem Rhein und dem Neckar gewidmet. Sie stammen, wie das Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I., von Gustav Eberlein und thematisieren die Wiedergewinnung der deutschen Kaiserkrone aus dem alten Nibelungenschatz und den Segen des freien deutschen Rheins.
Figuren aus der griechischen Mythologie tragen eine mächtige Muschelschale. Es sind ein Kentaur – halb Mensch und halb Pferd, sowie ein Atlant – eine männliche Skulptur, die die Funktion einer Säule übernimmt. Üppige Figurengruppen, geflügelte Nymphen und Putten, geschmückt mit Früchten und der Kaiserkrone, ranken sich um den üppig bewachsenen Felssockel.
Die Brunnen sind eine Spende von Stadtrat Bernhard Herschel (1837–1905), der auch das Herschelbad stiftete.
Die Nationalsozialisten gestalten den Schlosshof ab 1933 zu einem monumentalen Aufmarsch- und Repräsentationsraum um. Die Brunnen verschwinden zuerst. Vermutlich werden die Figuren 1942 eingeschmolzen. (VK)