• Künstler:in Gustav Eberlein
  • Titel Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I.
  • Jahr 1893
  • Kategorie Nicht mehr am Standort
  • Material Figuren: Bronze (Guss: AG Schäffer & Walker in Berlin), Sockel: Roter schwedischer Granit (Ausführung: Firma Schraep in Rostock)
  • Objektmaße (ohne Sockel) H 900 cm
  • Standort alt / Jahr Barockschloss Mannheim, Schlosshof, Bismarckstrasse, 68161 Mannheim, 1894

Gustav Eberlein (1847–1926)

Der Bildhauer, Maler und Schriftsteller ist zu seiner Zeit einer der meistbeschäftigten Künstler aus der Berliner Bildhauerschule. Insgesamt sind über 900 Werke der Skulptur, Malerei und Schriftstellerei weltweit bekannt: etwa das Goethe-Denkmal in Rom, das Richard-Wagner-Denkmal oder das Lortzing-Denkmal im Berliner Tiergarten sowie das Monumentalwerk Gottvater haucht Adam den Odem ein in Hannoversch Münden, aber auch das Nationaldenkmal Argentiniens und weitere vier Personendenkmäler in Buenos Aires. Viele seiner Bronzedenkmäler werden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

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Gustav Eberlein, Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I.
Foto: 14.10.1894, MARCHIVUM
Gustav Eberlein, Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I.
Foto: ca. 1905, MARCHIVUM

Zur Arbeit

Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 beherrschen Nationalismus und Militarismus das Denken weiter Kreise der Gesellschaft. Der Tod von Wilhelm I. im Jahr 1888 löst im gesamten Deutschen Reich Initiativen zur Errichtung von Denkmälern zu seinen Ehren aus. Auch Mannheim verfällt in einen „vaterländischen Taumel“.

Es ist größte Denkmal, das Mannheim je besaß, stellt Kaiser Wilhelm I. sitzend auf dem Pferd dar. Es wird nach seiner Aufstellung in der Presse überschwänglich gefeiert: „Bei dem Entwurfe dieses Werkes schwebte dem Künstler eine Symbolisierung des Sieges vor. Sieg spricht sich auf den energischen Zügen des Heldenkaisers aus und die starke Bewegtheit seines Rosses läßt erkennen, dass er aus heißem Kampfe daherkommt. Wie jubelnd schwingt der Genius des Sieges, der sich in Jünglingsgestalt am Postamente des Denkmals vor einem wild erregten Löwen erhebt, das Siegesreis …“

Die Reliefs an den Seiten des Sockels verherrlichen den Krieg und die Monarchie. Vor dem Relief, das die Kaiserproklamation in Versailles zeigt und der badische Großherzog das erste Hoch auf den Kaiser anstimmt, stirbt ein Krieger in den Armen einer Frau. Auf dem anderen Relief verkündet der Kaiser Hilfe den „Mühseligen und Beladenen des Volkes“. Auf den Stufen davor liegen ein nackter Jüngling und ein Engel, der in seinen Armen ein Kind hält.

Ein Relief auf der Rückseite thematisiert den Bezug des Kaisers zu Mannheim, der 1814 als junger Prinz Teil des Koalitionsheeres von General von Sacken ist und mit ihm den Rhein in Mannheim überquert.

Das Denkmal wird am 14. Oktober 1894 in Anwesenheit der badisch-großherzoglichen Familie feierlich enthüllt. Es ist das erste Reiterstandbild des Kaisers in Baden.

Die Nationalsozialisten gestalten den Schlosshof ab 1933 zu einem monumentalen Aufmarsch- und Repräsentationsraum um. Als unter dem Ehrenhof ab 1940 ein Luftschutzbunker entsteht, wird auch das Kaiserdenkmal abgebaut, ein Teil der Figuren eingsschmolzen. Reste des Denkmals werden 1945 bei einem Schrotthändler an der Bergstraße entdeckt. (VK)