Karl-Heinz Feisst (1925-2011)
Der 1925 in Karlsruhe geborene Künstler studiert in den 1940er Jahren an der Staatlichen Majolika-Manufaktur Karlsruhe, für die er nach dem Abschluss seiner Ausbildung weiterhin tätig ist. Die 1901 gegründete Manufaktur ist eine der wichtigsten Keramikwerkstätten Deutschlands. Ihr Ziel ist es, Kunst und Handwerk miteinander zu verbinden und der Majolika-Technik zu neuer Geltung zu verhelfen. Zunächst unter dem Einfluss des Jugendstils stehend, öffnet sie sich in späteren Jahren dem Expressionismus und der Bauhausmoderne. Während der Zeit des Nationalsozialismus passt sich die Produktion den kulturpolitischen Vorgaben des Regimes an, ohne jedoch die handwerkliche und künstlerische Eigenständigkeit vollständig aufzugeben. Nach 1945 orientiert sich die Manufaktur erneut an modernen Entwicklungen in Kunst und Design. Trotz ihrer herausragenden kulturgeschichtlichen Bedeutung wird die Einrichtung 2024 geschlossen.
Karl-Heinz Feisst ist einer der prägenden Künstler der Manufaktur und macht sich vor allem durch keramische Arbeiten für öffentliche Gebäude einen Namen. Seine Werke verbinden traditionelle keramische Techniken mit einer zeitgemäßen Formensprache. Die Keramik am Theresienkrankenhaus ist eines der Hauptwerke des Künstlers und zugleich ein bedeutendes Zeugnis der Nachkriegskunst der Karlsruher Majolika-Manufaktur.
Zur Arbeit
Die rund 10 m hohe Darstellung des heiligen Christophorus schmückt das Schwesternwohnheim des Theresienkrankenhauses. Letzteres wird 1925-1929 vom katholischen Orden der barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul nach dem Entwurf des Mannheimer Architekten Josef Kuld errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das schwer beschädigte Krankenhaus instandgesetzt, aufgestockt und schließlich ab Mitte der 1950er-Jahre schrittweise erweitert. 1964-1966 entsteht das von Philipp Wolf, einem früheren Mitarbeiter Kulds entworfene Schwesternwohnheim, das sich als ursprünglich sechs-, heute achtgeschossiger Bau an der Renzstraße erhebt.
Der Bau ist ein typisches Beispiel funktionaler Krankenhausarchitektur der 1960er-Jahre. Seine zum Neckarufer orientierte nördliche Seitenfassade wird durch die Keramik aufgewertet und hervorgehoben. Aufgrund ihrer exponierten Lage ist die Arbeit sowohl vom Neckarufer als auch von der Friedrich-Ebert-Brücke weithin sichtbar. Dadurch fungiert die großformatige Darstellung nicht nur als künstlerischer Akzent im Stadtbild, sondern stellt zugleich eine symbolische Verbindung zum nahegelegenen Neckar her, da im Bildthema des Christophorus ein Fluss eine zentrale Rolle spielt.
Die Arbeit ist als Wandmosaik aus rechteckigen Keramikkacheln gestaltet und zeigt den heiligen Christophorus in enger Anlehnung an die seit dem Mittelalter überlieferte Ikonographie: den riesenhaften Heiligen, der mit einem Stab in der Hand das Christuskind auf seinen Schultern durch einen Fluss trägt. Sein Blick richtet sich auf das Kind, das die rechte Hand zum Segensgestus hebt und in der linken eine von einem Kreuz bekrönte Weltkugel als Symbol der Herrschaft Christi über die Welt hält. Stilistisch verbindet das Werk eine vereinfachte Formensprache mit gemäßigt-expressionistischen Zügen sowie einer fein aufeinander abgestimmten Kombination unterschiedlicher Gelb-, Braun- und Blautöne. Diese differenzierte Farbgebung spiegelt die hohe künstlerische und handwerkliche Qualität der Karlsruher Majolika-Manufaktur und ihres Künstlers in besonderer Weise wider. (AS)