Amadeo Gabino (1922-2004)
Der Spanier sammelte seine ersten bildhauerischen Erfahrungen im Atelier seines Vaters, des Bildhauers Alfonso Gabino. Zwischen 1939 und 1944 studiert er zunächst an der Königlichen Akademie der Schönen Künste San Carlos in Valencia. Stipendien ermöglichen ihm Aufenthalte in Rom (1949), Paris (1952), an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (1958–1960) und in New York (1961). In dieser Zeit entstanden die ersten abstrakten Eisenplastiken. Als Vertreter Spaniens ist Gabino 1956 und 1966 an der Biennale von Venedig beteiligt. 1970 ist sein Werk in einer Einzelausstellung in Ludwigshafen/Rhein zu sehen, 1992 in der Kunsthalle Mannheim.
Die Entwicklung der bildhauerischen Tätigkeit Gabinos ist gekennzeichnet von einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Fläche und Raum. Anfang der 1960er-Jahre entstehen unter dem Eindruck der fortschreitenden Technisierung der Umwelt die ersten abstrakt-konstruktivistischen Eisenplastiken. In der Folge entstehen Reliefs aus glatten, metallisch glänzenden Platten, die schichtartig um einen Mittelpunkt gruppiert, einem Harnisch nicht unähnlich, vielfältige Flächenüberlagerungen ergeben. Die hier gewonnenen formalen Prinzipien überträgt er schließlich auf freistehende Plastiken von würfel- oder stelenartiger Gestalt. Die seit den 1990er-Jahren entstandenen Arbeiten Gabinos sind durch eine neue Raum- und Körperhaftigkeit charakterisiert. An die Stelle komplizierter Reliefstrukturen treten nun geschlossene, kompakte Volumina, die sich konkav oder konvex in den Raum wölben. Zahlreiche dieser aus Cor-Ten-Stahl geschaffenen Werke sind für den öffentlichen Raum entstanden, etwa „Hommage an Anton Bruckner“ (1998) auf der Donaulände in Linz/Österreich sowie „Hommage an Galileo“ (1992) in Madrid.
Zur Arbeit
1993/94 schuf Gabino eine architekturbezogene Arbeit am Außenbau des nach Plänen von Helmut Striffler errichteten Verwaltungsgebäudes der ÖVA in Mannheim. Er hatte mit seinem Entwurf 1993 den von der ÖVA ausgeschriebenen beschränkten Künstlerwettbewerb gewonnen. Die Skulptur „Windflügel“ bildet den Abschluss des Erweiterungsbaus, der in einer offenen, spitzwinkeligen Pfeilerkonstruktion endet. Sie akzentuiert diese städtebaulich und architektonisch wichtige Situation mit einer plastischen Form aus gestaffelten Stahlplatten.
Das Werk steht für Bewegung und Veränderung, lässt sich je nach Standpunkt der Betrachtenden mit Offenheit oder Geschlossenheit, mit Statik oder Dynamik assoziieren. Und schließlich steht sie in der Tradition der spanischen Bildhauerei eines Eduardo Chillida, der ab 1977 in der Bucht von San Sebastián die „Peines del Viento“, große krallenartige „Windkämme“ aus Cor-Ten-Stahl installierte. (IH)