• Künstler:in Franz Gelb
  • Titel Junge Frau
  • Jahr 1927
  • Kategorie Skulptur
  • Material unbekannt
  • Standort aktuell / Jahr Fassade in der Mühldorferstraße 8, 68165 Mannheim, 1927

Franz Gelb (1890–1948)

Der Mannheimer Künstler Franz (Rudolf) Gelb hat an seinem Geburtsort im öffentlichen Raum viele Spuren hinterlassen. Auch die Kunsthalle Mannheim besitzt einige Arbeiten von ihm.
Der Sohn eines Nudelfabrikanten macht 1906 eine Ausbildung an der Schnitzerschule in Furtwangen, danach bildet er sich autodidaktisch zum Steinbildhauer weiter. Bis 1914 ist er Mitarbeiter des Mannheimer Bildhauers Wilhelm Ballmann, bis 1916 bei Hermann Taglang. 1937 werden eine Skulptur sowie mehrere Zeichnungen von ihm aus dem Besitz der Kunsthalle Mannheim als „entartet“ beschlagnahmt. Trotzdem entwirft er 1938 für das Tor zum Ehrenfeld auf dem Mannheimer Hauptfriedhof noch Sandsteinreliefs zum Thema „Abschied und Tod“.

Zur Arbeit

Die Skulptur schmückt die Klinkerfassade des Mietshauses in der Mühldorfer Straße 8 und stellt als Akt eine junge Frau dar, die ihren rechten Arm in einer selbstbewussten Pose über den Kopf verschränkt. Das herabfallende Gewand, das sie nur mit der linken Hand festhält, gibt den Blick auf ihren entblößten Körper frei – ein klassisches Motiv weiblicher Aktdarstellungen in Malerei und Bildhauerei, das mit dem Spannungsfeld von Verhüllung und Enthüllung spielt. Die sportliche Gestalt der Dargestellten entspricht dem damaligen Ideal weiblicher Körper; die Kurzhaarfrisur greift zudem die Mode der Zeit auf.
Innerhalb der Fassade ist die Figur durch ihre Größe, die Platzierung in der Mittelachse und die helle Oberfläche im Kontrast zum dunkelbraunen Backstein bewusst hervorgehoben. Die Balkone mit ihren hellen Brüstungen wirken dabei nahezu als Rahmung des Bildwerkes.

Das Haus selbst ist ein Beispiel des Übergangsstils zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Sein Architekt ist Ferdinand Mündel, der augenscheinlich eng mit Franz Gelb zusammenarbeitete. Bauherr war der Malermeister Adolf Schmitt, der offenbar moderner Architektur und Kunst aufgeschlossen war und so diesen ungewöhnlichen weiblichen Akt ermöglichte, der eigentlich mehr zu einem repräsentativen öffentlichen Gebäude oder zu einer Villa als an ein einfaches Mietshaus passt. (AS)