• Künstler:in Franz Gelb
  • Titel Marathonläufer
  • Jahr 1929
  • Kategorie Nicht mehr am Standort
  • Material Steinguss
  • Standort alt / Jahr Theodor-Heuss-Anlage, 1929

Franz Gelb (1890 – 1948)

Der Mannheimer Künstler Franz (Rudolf) Gelb hat an seinem Geburtsort im öffentlichen Raum viele Spuren hinterlassen. Auch die Kunsthalle Mannheim besitzt einige Arbeiten von ihm.
Der Sohn eines Nudelfabrikanten macht 1906 eine Ausbildung an der Schnitzerschule in Furtwangen, danach bildet er sich autodidaktisch zum Steinbildhauer weiter. Bis 1914 ist er Mitarbeiter des Mannheimer Bildhauers Wilhelm Ballmann, bis 1916 bei Hermann Taglang. 1937 werden eine Skulptur sowie mehrere Zeichnungen von ihm aus dem Besitz der Kunsthalle Mannheim als »entartet« beschlagnahmt. Trotzdem entwirft er 1938 für das Tor zum Ehrenfeld auf dem Mannheimer Hauptfriedhof noch Sandsteinreliefs zum Thema „Abschied und Tod“.

Zur Arbeit

Beim Bau der städtischen Spielplatzanlage 1927–29 (heute Carl-Benz-Stadion) erhält Franz Gelb den Auftrag eine große dekorative Figur zu schaffen. Er entscheidet sich für einen Marathonläufer. Die Figur ist überlebensgroß und wirkt etwas unproportional. Von den Besuchern erhält die Figur daher sehr schnell den Spitznamen „Gille-Galle“. Der Name erinnert an ein stadtbekanntes „Mannheimer Original“ aus der Zeit um 1890 mit dem bürgerlichen Namen Jakob Friedel. Er verkauft vor dem Rathaus am Marktpatz Postkarten und Zigaretten und hat eine lange, dünne Figur.
Ab 1933 erregt die Figur als „kulturbolschewistische Kunst“ den Unmut der Nationalsozialisten und wird entfernt. 1948 wird an dieser Stelle eine Plastik aufgestellt, die während der NS-Zeit für den geplanten, aber nie realisierten Adolf-Hitler-Platz am heutigen Planetarium von Christoph Voll realisiert wurde: Eine männnliche Figur aus Bronze, die in ihren erhobeben Händen einen Adler hält, der seine Schwingen ausbreitet. 1954 wird diese Arbeit entfernt und eingeschmolzen. (SK)