Zur Arbeit
Das pyramidenförmige Monument aus Bronze steht ursprünglich im Hof der Gemäldegalerie in Düsseldorf, wird 1738 nach Mannheim gebracht und 1743 auf dem Paradeplatz aufgestellt. Alessandro Galli da Bibiena führt den Sockelunterbau aus, wodurch die auf Nahsicht gearbeiteten Figuren vom Betrachter weggerückt werden.
Die Pyramide ist eine Allegorie, die den Auftraggeber Johann Wilhelm verherrlicht. Seine Tugenden, die auf der Arbeit entsprechend dargestellt sind, triumphieren über die ebenfalls dargestellten Laster. Der Künstler hebt damit die Stellung und die Aufgaben des Kürfürsten hervor.
Die Skulptur gliedert sich in drei nach oben verjüngende Bereiche und hat ohne den Sockel eine Höhe von 6,90 Meter. Im unteren Teil sind vier Flussgötter dargestellt. Sie symbolisieren Rhein, Donau, Neckar und Mosel, die vier wichtigsten Ströme des Landes und stehen für die Landesteile Kurpfalz, Neuburg, Jülich und Berg und die Grafschaft Sponheim. An den Ecken sitzen die vier grundlegenden Tugenden der klassischen Philosophie und christlichen Ethik, die sogenannten Kardinaltugenden: Justitia (Gerechtigkeit), Prudentia (Klugheit), Fortitudo (Tapferkeit) und Temperantia (Mäßigung). Die zentrale Gestalt Justitia mit Krone, Richtschwert und Reichsapfel trägt die Züge Johann Wilhelms, das Gesicht der Temperantia ist Kurfürstin Anna Maria Medici nachempfunden, der zweiten Ehefrau Johann Wilhelms.
Der zweite Bereich zeigt Darstellungen von Waffen, Rüstungen und anderen kriegerischen Symbolen. Sie stehen für Sieg, Macht oder militärischen Ruhm, aber auch Falschheit, Bestechung und Diplomatie.
Der oberste Bereich ist der wichtigste für den Bedeutungsgehalt der Pyramide: Der Gott der Zeit – Chronos – enthüllt die nackte Veritas (Wahrheit), die in der rechten Hand die vergoldete Sonne trägt. In ihrem Rücken bläst die Göttin des Ruhmes – Fama – die Posaune für Hercules, der gegen die siebenköpfige Hydra kämpft. Symbolisiert wird hier Kurfürst Johann Wilhelm als Sieger im Kampf gegen alle Todsünden und Feinde – ob gallischer Hahn oder türkischer Putto, die Erzfeinde des Reiches. Unterstützung bekommt er von mehreren Löwen, Wappentier der Wittelsbacher. Von der himmlischen Wahrheit geblendet stürzt eine Menschenmenge hinab. Sie stellen figürlich Todsünden und Laster dar, wie Habgier, Wollust, Völlerei oder Zorn.
Um Reparaturkosten zu sparen, schenkt der badische Staat 1823 die „Pyramide“ der Stadt Mannheim. Gegen Ende des Jahrhunderts wird die schon in der Barockzeit geplante Brunnenanlage im Stil der Zeit verwirklicht. Der Bildhauer Johannes Hoffart fertigt 1888 acht Figurengruppen aus Bronze, die dem „Charakter des Denkmals angepasst sein und sich dem Ganzen organisch einfügen“ sollten, die aber erst 1895 aufgestellt werden. Die mit Delphinen spielenden Nymphen und Tritonen symbolisieren die vier Tageszeiten: Der Morgen im Osten, der Mittag im Süden, der Abend im Westen und die Nacht im Norden. Dazwischen sind Putten mit Muschelschalen angeordnet.
Als Metallspende werden diese 1942 für die Rüstungsindustrie abgebaut, jedoch nicht eingeschmolzen. 1975 taucht die Figur des „Abends“ und eine Muschelschale bei einem Händler in Landau auf, die anderen Figuren werden in Bensheim-Auerbach gefunden. Die Kunstgießerei Strassacker in Süßen fertigt Nachgüsse der verloren geglaubten Originalfiguren aus Kunststoff an, die 1993 zum 250. Jahrestag der Erstaufstellung, die Ansicht von 1895 wieder herstellen. (VK)