Franz Gutmann (1928–2024)
Der Bildhauer Franz Gutmann beginnt nach einem abgebrochenen Theologiestudium ein Studium an der Kunstakademie Freiburg, wechselt Mitte der 1950er Jahre an die Kunstakademie Düsseldorf und wird Meisterschüler bei Ewald Mataré.
Gutmann arbeitet mit nahezu allen Materialien (Stein, Holz, Metall). Seine Arbeiten reichen von religiöser Kunst über öffentliche Großplastiken und Brunnenanlagen bis zu kleinteiligen Arbeiten wie Medaillen und Plaketten. Seine oft monumentalen Arbeiten haben häufig einen sehr heiteren Charakter, können aber auch provozieren, wie etwa seine Neugestaltung des vorderen Chorraums im Freiburger Münster aus dem Jahr 2006.
Zur Arbeit
Die Plastik „Vater Rhein“ erinnert an die 1868 in Mannheim unterzeichnete „Mannheimer Akte“. Dieses Regelwerk garantiert die freie Rheinschifffahrt ohne Zölle und Stapelrechte und hat ihre Gültigkeit bis heute erhalten. 1991 stiftete Helmut Kühnle, der aus einer alteingesessenen Mannheimer Reederfamilie stammte, diese Arbeit.
Die Plastik steht vor dem Haus Oberrhein in der Rheinvorlandstraße, direkt am Rhein. Das Umfeld ist bewusst gewählt: Der Rhein ist hier kein Landschaftselement, sondern zentrale Verkehrs- und Wirtschaftsader für die Region.
Mit dem Titel „Vater Rhein“ knüpft Gutmann zwar inhaltlich an eine lange Tradition an, den Rhein als personifizierte Vaterfigur darzustellen. Allerdings tut er dies mit einer gehörigen Portion Ironie: Der mächtige, manchmal auch bedrohliche Fluss, wird auf seine Funktion als Poller reduziert – ein massiver Metallpfosten, meist aus Stahl oder Gusseisen, an dem die Schiffe beim Anlegen festgebunden werden – „Vater Rhein“ wird so zur typischen Infrastruktur eines Hafens! (SK)