Otto Herbert Hajek (1927–2005)
Hajek ist 1927 in Kaltenbach (heute Nové Hutě in Tschechien) geboren und lebt seit 1946 in Süßen im Landkreis Göppingen.
Von 1947 bis 1954 studiert er Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Bereits 1951 hat er seine erste größere Einzelausstellung. Im Laufe seines Lebens folgen zahlreiche weitere Ausstellungen im In- und Ausland.
Nach Abschluss seines Studiums arbeitet er als freischaffender Künstler. Durch seine Teilnahme an der documenta II (1959) und III (1964) erlangt er internationales Ansehen.
Von 1980 bis 1992 ist er Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Darüber hinaus ist er Mitglied sowie Ehrenprofessor und Ehrendoktor mehrerer Kunsthochschulen und Akademien im In- und Ausland. Er nimmt regelmäßig an Kolloquien zu den Themen „Kunst im öffentlichen Raum“ und „Kunst und Öffentlichkeit“ teil – Fragestellungen, die sein gesamtes Schaffen prägen. In seinem plastischen Schaffen entstehen Werke mit religiösen Motiven, aber auch Arbeiten mit weltlichen Themen. Er ist auch als Maler und Grafiker tätig. Mit den Materialien
Beton, Stahl und Bronze gestaltet er Arbeiten, die nicht nur betrachtet, sondern im öffentlichen Raum auch erlebt werden sollen. Charakteristisch für sein Werk ist der gezielte Einsatz von Farbe, die er in Beziehung zu Form und Raum setzt. 2003 gründet er die Otto Herbert Hajek-Stiftung der Stadt Stuttgart. Sie betreut neben anderen Institutionen seinen Nachlass. Bis zu seinem Tode im Jahre 2005 lebt Hajek in Stuttgart, wo er auch beigesetzt wird.
Zur Arbeit
Das Wandrelief im Eingangsbereich der ehemaligen Postfiliale an der Neuhofer Straße 1 entsteht in den Jahren 1973 bis 1974 im Auftrag der Oberpostdirektion Karlsruhe. Die Gestaltung wurde von Hajek in Zusammenarbeit mit den Bauherren und dem Mannheimer Architekten Andreas Plattner realisiert.
Charakteristisch für diese Phase sind plastische Beton- und Steinelemente, die mit dezenten Farbakzenten versehen wurden. Das Werk gehört zu einem Zyklus von Auftragsarbeiten für die Deutsche Bundespost und steht in engem Zusammenhang mit dem 120 Meter langen, heute weitgehend zerstörten Betonreliefs der ehemaligen Hauptpost am Mannheimer Hauptbahnhof. Während dieses den Stadtraum prägte, zielt das Wandrelief in Rheinau auf die künstlerische Aufwertung des funktionalen Eingangsbereichs einer Behörde. Die Arbeit ist ein Beispiel für die Verbindung von Kunst und Architektur im öffentlichen Raum und verdeutlicht Hajeks Ansatz, Alltagsorte durch künstlerische Interventionen zu gestalten. (SK)