HAWOLI (1935-2025)
Der niedersächsische Künstler (bürgerlicher Name Hans-Wolfgang Lingemann) beginnt 1956 ein Ingenieurstudium. Seit 1962 arbeitet er als Maler, verlegt sich jedoch in den 1970er-Jahren auf die bildhauerische Arbeit. Als er 1973 nach Neuenkirchen in die Lüneburger Heide zieht, beeinflusst dies sein bildhauerisches Schaffen. Prägend sind nicht zuletzt die Kunst-Landschaft-Symposien, die seit 1974 von der seinem Atelier benachbarten Galerie Falazik, später Kunstverein Springhornhof, veranstaltet werden.
Der Bildhauer lässt sich zunächst von den Materialien der ihn umgebenden Natur inspirieren, seit 1978 nutzt er auch den technisch hergestellten Stahl und konfrontiert ihn mit dem Naturmaterial Stein. Seither nutzt er diese gegensätzlichen Materialien, um Naturvorgänge und -kräfte sichtbar zu machen, um Dualismen und Abhängigkeiten zu visualisieren, aber auch um Themen wie Stabilität und Labilität oder Balance anzusprechen.
Bis zu seinem Tod lebt und arbeitet er auf dem Springhornhof in Neuenkirchen bei Soltau. Zahlreiche seiner Arbeiten finden sich in der dieser Region, aber auch in einem urbanen Ambiente wie dem Rudolf Hilferding-Platz in Bremen.
Zur Arbeit
1983 bemerkt der Künstler: „Meine Skulpturen sollen mit kritischem Akzent auf die Ambivalenz unseres sozioökologischen Verhaltens, auf die damit verbundene Unsicherheit unserer Zukunft und vor allem auf den Spannungsraum zwischen Natur und Kultur hinweisen, in den die Gesellschaft eingeschlossen ist und von dem selbst die ästhetische Gestaltung beeinflusst wird… In diesem Sinne stehen meine Skulpturen in einem sozialen Kontext. Allerdings biete ich keine Lösung an, sondern verweise mit meinen ‚Balancen‘ auf den heutigen Status quo“.
Auch in der 1988/91 entstandenen Arbeit im Luisenpark verwendet er den Naturstein Granit und kombiniert ihn mit Stahl. Ein aufrechtstehender Stahlring umfasst einen massigen Findling. Man hat den Eindruck, als schiebe sich der schwere Stein durch den Ring, dieser wiederum wird durch das Gewicht des Steins stabilisiert. Der Stein ist amorph geformt, mit Kanten und Brüchen, während der Stahlring ein perfekt geformtes, technisch produziertes Element darstellt. Die Kreis- oder Ringform ist hier auch als Symbol für Ganzheit, Einheit, Ewigkeit und Unendlichkeit zu verstehen. Gegensätze und Abhängigkeiten sind hier anschaulich und zeitlos ins Bild gesetzt. (IH)