Josef Hinterseher (1878–1955)
Josef Hinterseher ist in München geboren und Sohn eines Schreiners. Von der Kunstgewerbeschule in München geht er 1892 an die dortige Kunstakademie. Mit 25 Jahren erhält er den Rompreis der Akademie, geht nach Italien und von 1904–1914 nach Paris. 1906 gewinnt Hinterseher für sein Werk „Gänsedieb“ die Silberne Staatsmedaille Österreichs. Mit seinen Arbeiten ist er auf auf vielen internationalen Ausstellungen vertreten.
Während des Ersten Weltkriegs ist er in England interniert. Trotz seiner Bekanntheit werden 1937 bis 1944 auf den Münchner Kunstausstellungen keine Werke von ihm ausgestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebt er in München, wo er 1955 stirbt.
Hintersehers Arbeiten sind geprägt von der Münchner Bildhauerschule um Adolf von Hildebrand. Seine Themen, in Bronze oder Marmor gearbeitet, sind Tiere, Akte, Naturdarstellungen, mythologische Szenen, Faune, Nymphen und Portraitbüsten.
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Zur Arbeit
Die Plastik „Waldidylle“ wird 1904, während der Weltausstellung in St. Louis, Missouri, ausgestellt. Danach wird der Abguss als Grabfigur des Bierherstellers August Anheuser Busch Senior auf einem Hügel im Sunset Memorial Park in St. Louis verwendet.
Von dieser Figurengruppe, die Hinterseher selbst als „Waldidylle“ bezeichnete, fertigt er mehrere Güsse an. Neben der Plastik in Lebensgröße existieren verkleinerte, etwa 70 cm große Abgüsse.
Der mit der Figurengruppe geschmückte Brunnen in Mannheim entsteht vor der Kulisse der Wohnsiedlung Schafweide, die in den 1920er-Jahren vom Städtischen Hochbauamt errichtet wird. Der an der Kreuzung Schafweide / Friedrich-Ebert-Straße im Jahr 1927 angelegte Schmuckplatz soll an den neuen städtischen Bauprojekten, der Wohnanlage Schafweide und der Friedrich-Ebert-Brücke, einen optischen Akzent setzen.
Im Dezember 1927 wird der Brunnen und die Plastik aufgestellt. In lässiger Haltung steht der Junge auf dem Sockel, das gelockte Haar von einem schmalen Stirnband zusammengehalten. Mit der linken Hand führt er den Kopf eines Rehbocks (nicht eines Rehs) zur Trinkschale, die er mit der rechten hält. Er neigt sich dem Rehbock zu, der sich vertrauensvoll zur Schale führen lässt. Nichts stört die Zweisamkeit zwischen Mensch und Tier. Die Figur des Jünglings erinnert durch seine Nacktheit und das Stirnband an antike Vorbilder. Sie ist stilistisch auf die neuklassizistischen Fassaden der Wohnanlage Schafweide bezogen.
Themen wie „Leben auf dem Lande“, „Mensch und Natur“, „Kindheit“ etc., in idealisierter Form dargestellt, waren beliebte Motive für öffentlich aufgestellte Plastiken und Brunnen in den 1920er-Jahren, um Oasen der Ruhe und Beschaulichkeit im Lärm der Großstädte zu schaffen.
Die Gruppe ist während des Zweiten Weltkriegs als Metallspende vorgesehen und wird demontiert. In den 1950er-Jahren wird sie wieder auf ihren ursprünglichen Platz aufgestellt. 1970 wird das Brunnenpodest entfernt und die Plastik auf einem kleinen Basaltsockel aufgestellt. Das Wasserspiel wird wieder funktionstüchtig gemacht. Das aus der Schale rinnende Wasser, ursprünglich von der Brunnenschale aufgefangen, versickert nun im Boden. Aufgrund der häufigen Schäden am Wasserzulauf dreht man den Hahn bald für immer ab und der der Jüngling rottet vor sich hin.