• Künstler:in Johannes Hoffart
  • Titel Amphitrite, Wasserturm
  • Jahr 1889
  • Kategorie Denkmal
  • Material Kupferblech
  • Objektmaße (ohne Sockel) Höhe 3,25 Meter
  • Standort aktuell / Jahr Spitze des Wasserturms, 68161 Mannheim, 1889

Johannes (Isaak) Hoffart (1851-1921)

Johannes Hoffart wird am 22. Januar 1851 in Mannheim als Sohn des Schuhmachermeisters Friedrich August Hoffart und dessen dritter Ehefrau Elisabeth geb. Feiniller geboren. Schon 1869 geht er nach München und studiert Bildhauerei an der Münchner Akademie unter dem österreichischen Bildhauer Joseph Knabl (1819-1881). Er bildet sich auf Studienreisen in Frankreich und in den Niederlanden weiter, ehe er 1881 wieder nach München zurückkehrt. Ab 1896 lebt er in Berlin-Wilmersdorf, wo er am 12. Juli 1921 im Alter von 70 Jahren stirbt.

Sein Stern als gefragter Bildhauer geht in Mannheim mit der von ihm geschaffenen Marmorbüste von Richard Wagner auf. Sie wird am 25. September 1887 am Haus des Musikalienhändlers Emil Heckel in O 3, 10 feierlich enthüllt. Gefördert vom Direktor der Schlossgalerie Carl Roux erhält Hoffart 1888 den Auftrag für die Brunnenfiguren an der Grupello-Pyramide am Paradeplatz und nahezu zeitgleich für die Amphitrite als krönende Plastik auf der Spitze des Wasserturms. Später gestaltet er die vom Großherzog von Baden 1907 gestifteten Denkmäler für Karl Friedrich von Baden und Karl Ludwig von der Pfalz im Ehrenhof des Schlosses.

Als sein Hauptwerk gilt die 1911 fertig gestellte Kreuzigungsgruppe in der Christuskirche. Grabbüsten, etwa von Emil Heckel und Oberbürgermeister Otto Beck (1908), sind weitere Facetten seiner Arbeit in Mannheim.
Seine bereits 1887 entworfene Trauerende aus Marmor für das Mausoleum von Albert Bürklin in Karlsruhe – eine Frau in antikem Gewand, die Rosen auf ein Grab legt – wird von der Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) lizenziert und als Galvano-Plastik vielfach verkauft. Sie ziert bis heute unter der Bezeichnung „Ein [letzter] Gruß“ viele Gräber in Deutschland.

Zur Arbeit

Um diese Arbeit zu erkennen, muss man den Kopf weit zurücklehnen und nach oben schauen: Denn sie ziert die Kuppel des Wasserturms am Friedrichplatz.
In Mannheim erhält Hoffart 1888 den Auftrag für eine zunächst als „Schlussfigur“ bezeichnete Plastik an der Spitze des Wasserturms, nachdem ein erster Entwurf des Münchner Hofkupferschmieds Heinrich Seitz die zuständige Baukommission des Wasserturms nicht überzeugen konnte. Wie bei den Brunnenschalen an der Grupello-Pyramide fertigt Hoffart eine Nereide und damit eine Figur aus der griechischen Mythologie.

Nereiden sind in der antiken Sagenwelt die Nymphen des Meeres, die als Schutzgöttinnen Schiffbrüchige retten und Seeleute begleiten. Die bekannteste Figur unter ihnen ist Amphitrite, die Gattin des Meeresgottes Poseidon, Mutter von Triton. Sie wird für ihre Schönheit gerühmt und soll es der Sage nach verstanden haben, ihren oft jähzornigen Gatten zu besänftigen.

Zwischen Johannes Hoffart und dem für die Umsetzung aus Kupferblech weiterhin verantwortlichen Hofkupferschmied Seitz kommt es während der Arbeit zeitweise zu Unstimmigkeiten. Auch die zuständige Baukommission fühlt sich zwischenzeitlich übergangen. Denn sie hat sich vorbehalten, den maßstabsgetreuen Gipsentwurf nochmals zu begutachten und zu genehmigen, was der Bildhauer ignoriert. Mit einer saftigen Konventionalstrafe unterstreicht die Kommission daraufhin ihre Gutachterhoheit und mahnt zugleich den Kupferschmied Seitz an, dem Künstler Zugang zum Atelier bei der Vollendung der Arbeit zu verschaffen.
Hoffart gestaltet die Amphitrite in eher eigenwilliger Form. Als Königin des Mittelmeers und der Fische und Delphine hält sie den Dreizack ihres Mannes Poseidon hoch erhoben in der Linken. Ihr linker Fuß stützt sich auf einem Delphin ab. Der lange Haarschopf der Figur umhüllt ihre Hüfte wie ein Rettungsring einen Schiffbrüchigen sowie ihre Scham, ansonsten ist sie völlig nackt. Die in klassischen Denkmälern zumeist gewählte antike Gewandung fehlt hier völlig. Die 3,25 Meter große und ca. zwei Zentner schwere Figur wirkt auf den Betrachter wie eine streitbare Amazone, die über das Meer gebietet.

Die Figur wird am 12. August 1889 mit der feierlichen Einweihung des Wasserturms der Öffentlichkeit übergeben. Sie überzeugt das Publikum, und die Kommission gratuliert Hoffart „zum künstlerischen Erfolg“ und hebt die Strafgebühr wieder auf.
Die Amphitrite wird im Zweiten Weltkrieg zerstört, der Wasserturm mit einem Notdach versehen. Erst mit der Replik durch den Metallbildner Hayno Focken (1905-1968), Anfang der 1960er Jahre geschaffen und 1963 angebracht, erhält der Wasserturm seine „Schlussfigur“ wieder. (UN)