• Künstler:in Johannes Hoffart
  • Titel Kurfürst Karl Ludwig
  • Jahr 1907
  • Kategorie Denkmal
  • Material Bronze
  • Standort aktuell / Jahr Barockschloss Mannheim, Otto-Selz-Straße, 68161 Mannheim, Schloßhof Ehrenhof, 1955
  • Standort alt / Jahr Schloss Westflügel, vor dem Amtsgericht, 1907

Johannes (Isaak) Hoffart (1851-1921)

Johannes Hoffart wird am 22. Januar 1851 in Mannheim als Sohn des Schuhmachermeisters Friedrich August Hoffart und dessen dritter Ehefrau Elisabeth geb. Feiniller geboren. Schon 1869 geht er nach München und studiert Bildhauerei an der Münchner Akademie unter dem österreichischen Bildhauer Joseph Knabl (1819-1881). Er bildet sich auf Studienreisen in Frankreich und in den Niederlanden weiter, ehe er 1881 wieder nach München zurückkehrt. Ab 1896 lebt er in Berlin-Wilmersdorf, wo er am 12. Juli 1921 im Alter von 70 Jahren stirbt.

Sein Stern als gefragter Bildhauer geht in Mannheim mit der von ihm geschaffenen Marmorbüste von Richard Wagner auf. Sie wird am 25. September 1887 am Haus des Musikalienhändlers Emil Heckel in O 3, 10 feierlich enthüllt. Gefördert vom Direktor der Schlossgalerie Carl Roux erhält Hoffart 1888 den Auftrag für die Brunnenfiguren an der Grupello-Pyramide am Paradeplatz und nahezu zeitgleich für die Amphitrite als krönende Plastik auf der Spitze des Wasserturms. Später gestaltet er die vom Großherzog von Baden 1907 gestifteten Denkmäler für Karl Friedrich von Baden und Karl Ludwig von der Pfalz im Ehrenhof des Schlosses.

Als sein Hauptwerk gilt die 1911 fertig gestellte Kreuzigungsgruppe in der Christuskirche. Grabbüsten, etwa von Emil Heckel und Oberbürgermeister Otto Beck (1908), sind eine weitere weitere Facetten seiner Arbeit in Mannheim.
Seine bereits 1887 entworfene Trauerende aus Marmor für das Mausoleum von Albert Bürklin in Karlsruhe – eine Frau in antikem Gewand, die Rosen auf ein Grab legt – wird von der Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) lizenziert und als Galvano-Plastik vielfach verkauft. Sie ziert bis heute unter der Bezeichnung „Ein [letzter] Gruß“ viele Gräber in Deutschland.

Zur Arbeit

Für das 300-jährige Stadtjubiläum Mannheims 1907 plant der Großherzog Friedrich I. von Baden ein Geschenk an die Stadt. Er beabsichtigt zwei Denkmäler zu stiften. Eines zeigt den Pfälzer Kurfürsten Karl Ludwig (1617-1680), der die weitgehend wüste Kurpfalz nach dem verlorenen Dreißigjährigen Krieg wieder bevölkern und Mannheim wiederaufbauen lässt.
Karl Ludwig wird der Stadt weitreichende, an niederländischen Vorbildern orientierte Stadtrechte verleihen. Mannheim ist seitdem eine Stadt, die von Zuwanderung geprägt ist. Das andere Denkmal ist dem badischen Großherzog Karl Friedrich (1782-1811) gewidmet, unter dessen Regentschaft die rechtsrheinischen Teile der Kurpfalz 1806 – und damit auch Mannheim – an das Großherzogtum Baden fielen.

In seinem Berliner Atelier in der Wilhelmstraße 16 – später Görresstraße 21 - entstehen Hoffarts Entwürfe für die Denkmäler von Kurfürst Karl Ludwig und Großherzog Karl Friedrich für das Mannheimer Schloss, die dann im Frühjahr 1904 im Kunstverein, der damals im Schloss ansässig war, gezeigt werden. Der Mannheimer Stadtrat bescheinigt in seiner Sitzung am 19. Mai 1904, dass die Modelle als „eigenartige und durchgeistigte Auffassung zeigenden Entwürfe zu betrachten seien.“ Eine Minderheit bemängelt aber, dass beide Figuren mit „vorgestrecktem Stock“ erscheinen. Die Mehrheit im Rat hingegen hält dies „für eine sehr glückliche Idee“ und verweist darauf, dass die Standbilder ohnehin weit auseinander stünden. Einig ist man sich im Rat, dass der Sockel noch zu klein sei, das Postament noch größer ausfallen müsse. Der Bronzeguss wird dann in der preußischen Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer erfolgen.

Die Figuren werden am 31. Mai 1907 in Gegenwart des Stifters Großherzog Friedrich I. und seiner Familie mit der feierlichen Einweihung der Öffentlichkeit übergeben. Die Figur von Karl Friedrich hatte ihren ursprünglichen Standort vor dem Ostflügel des Schlosses gegenüber L 3 am Carl-Theodor-Platz, wurde dann aber, wie ihr Pendant Karl Ludwig – der ursprünglich vor dem Westflügel in Front vor dem Amtsgericht stand - 1955 in den Ehrenhof verlegt, um Parkraum zu gewinnen. Und damit stützen sich nun beide Statuen mit einem Stock ganz nah beieinander ab. (UN)