Maritta Kaltenborn (*1936)
Maritta Kaltenborn ist 1936 in Nordhausen am Harz geboren. Seit 1956 lebt sie in Mannheim.
Ihre künstlerische Laufbahn beginnt als Autodidaktin. Nach der Teilnahme an einem Schmiedelehrgang im Jahr 1977 setzt sich intensiv mit der Kunst des Schmiedens auseinander.
Seitdem verbindet sie in ihren Arbeiten Materialien wie Flacheisen, Schrauben, Eichenholz und Stein zu ausdrucksstarken Kleinplastiken.
1980 nimmt sie an der ersten Triennale für Kleinplastik in Fellbach teil. In den folgenden Jahren präsentiert sie ihre plastischen Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen.
Bekannt wird Maritta Kaltenborn vor allem durch ihre Kunst im öffentlichen Raum in der Rhein-Neckar-Region. Ihre Werke sind überwiegend figurativ, zeichnen sich jedoch durch eine stark vereinfachte und abstrahierte Formensprache aus. Darüber hinaus setzt sie sich in ihren Arbeiten mit gesellschaftlichen Themen auseinander.
Für ihr langjähriges Engagement für die Stadt Mannheim wird ihr zusammen mit ihrem Ehemann Werner Kaltenborn 2021 die Auszeichnung „Mannheimer Stein“ verliehen.
KZ-Gedenkstätte
Drei über 200 Jahre alte Eichenbalken ragen nebeneinander in die Höhe. Sie stammen aus einer alten Scheune, die die Künstlerin Maritta Kaltenborn für diese Arbeit auswählte und in ihr Atelier im Odenwald bringen ließ.
Die Enden der Balken sind in einem Winkel von 45 Grad abgeschrägt. Diese Gestaltung verweist auf die Konstruktion der Zäune- und -mauern der Konzentrationslager, deren schräge Aufsätze ein Überklettern unmöglich machten.
An die Balken ist eine Gruppe dicht gedrängter, stark reduziert dargestellter menschlicher Gestalten angebracht. Die aus Eisen geschmiedeten Figuren werden von Stacheldraht umschlungen, der sie unentrinnbar festhält und jedes Entkommen unmöglich macht. Sie stehen eng beieinander, als wollten sie sich gegenseitig Schutz und Halt geben.
Auf dem Friedhofsgelände ist eine eher unscheinbare Grabstätte errichtet. Auf dem Schriftfries sind 511 Namen von Mannheimer Opfern des Nationalsozialismus aufgeführt. Auf Antrag des Gemeinderates wird 1983 beschlossen, eine sichtbarere Gedenkstätte zu errichten – ein Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes.
Zur Vorbereitung ihres Werkes besucht Kaltenborn KZ-Gedenkstätten sowie Orte ihrer Kindheit in deren Nähe Mittelbau-Dora lag, ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Ihre Eindrücke hält sie in Skizzen fest. Ihrem Entwurf in Form von drei Holzpfählen stimmt der Gemeinderat zu.
Das Mahnmal rückt die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ins öffentliche Bewusstsein und verleiht dem Gedenken einen eindrucksvollen Ausdruck. Im November 1984 übergibt die Künstlerin ihr Werk der Stadt Mannheim als Geschenk. (CS)