Manfred Kieselbach (1936–2018 )
Der Bildhauer Professor Manfred Kieselbach absolvierte ein Akademiestudium in München, arbeitete als freischaffender Künstler und kam1962 nach Mannheim. Er war Kunstdozent, u. a. 1980 bis 1998 an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Ludwigshafen, und Vorsitzender von verschiedenen Künstlerverbänden. Oft stellte er gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Malerin und Grafikerin Riki Strassler aus. Sein Werk ist geprägt von einem humanen Menschenbild, bei dem die Erinnerung eine große Rolle spielt.
Von Kisselbach gibt es mehrere Arbeiten in der Region: ein Bronzetafel zu Paul Eppstein in der Mannheimer Abendakademie, eine Gedenktafel für die zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs in Mannheim-Neckarau sowie das Geschwister-Scholl-Denkmal vor dem gleichnamigen Gymnasium in Ludwigshafen.
Zur Arbeit
Georg Lechleiter (1885–1942) ist bis 1933 Landtagsabgeordneter der KPD im Landtag der Republik Baden. Danach wird er zum Kopf einer Widerstandsgruppe, die gegen das NS-Unrechtssystem kämpft. Ihre mutigen Aktionen, darunter die illegale Herausgabe der Zeitung „Der Vorbote“ als „Informations- und Kampforgan gegen den Hitlerfaschismus“ führt 1942 zur Verhaftung von 32 Mitgliedern der Gruppe. Davon werden 19 Mitglieder hingerichtet, u. a. Georg Lechleiter. Weitere drei Mitglieder werden schon zuvor in der Haft zu Tode gefoltert. Die Lechleiter-Gruppe hat die meisten Todesopfer der Mannheimer Widerstandsbewegung zu beklagen.
Der Platz in der Schwetzingerstadt, an dem das Denkmal steht, heißt in der NS-Zeit „Platz des 30. Januar“. Gleich nach Kriegsende wird er umbenannt in Georg-Lechleiter-Platz, der drei Jahre zuvor mit dem Fallbeil hingerichtet wurde. Am 24. Februar 1988, genau 45 Jahre nach der Vollstreckung des Todesurteils gegen fünf weitere Mitglieder der Lechleiter-Gruppe, wird das Bronzemonument enthüllt.
Weitere Informationen zu Lechleiter-Platz finden Sie hier.
Weitere Informationen zu Georg Lechleiter finden Sie hier.
Das Denkmal besteht aus zwei großen, aufeinander geschichteten Blöcken. Der untere Block trägt eine Inschrift, die an die Georg Lechleitner und die Gruppe erinnert. Im oberen Block stehen neun menschlichen Figuren. Sie treten aus der Anonymität heraus. Nils Gormsen, der damalige Baubürgermeister, bezeichnet bei der Einweihung Kieselbachs Werk als „Denkmal, das ohne falsches Pathos, in einfacher, verständlicher und doch künstlerisch guter Form ausdrücke, was Menschen in der Zeit des Nazi-Terrors bewegt habe, aus den Mauern herauszutreten und Widerstand zu leisten“.
Die Figuren der Menschengruppe sind stilisiert, sie haben keine Gesichter und sind bedroht von sie umgebenden hoch aufgerichteten Quadern. Die reduzierte Formensprache stellt das kollektive Leid und die Solidarität der Gruppe in den Vordergrund.
Das Denkmal ist ein Beispiel für die spät erfolgte Anerkennung des Arbeiterwiderstands, dem ein langer Kampf von antifaschistischen Verbänden vorausging. Es markiert den Wandel in der Erinnerungskultur und bleibt, nicht zuletzt durch dort stattfindende Kundgebungen, ein Ort lebendiger demokratischer Wachsamkeit. (VK)