• Künstler:in Hans-Michael Kissel
  • Titel Baum der Eitelkeit
  • Jahr 1992
  • Kategorie Plastik
  • Material Chromstahl
  • Objektmaße (ohne Sockel) H 700 cm, Durchm. 600 cm
  • Standort aktuell / Jahr Luisenpark, Theodor-Heuss-Anlage 2, 68165 Mannheim, im Park Heinrich-Vetter-Weg

Hans-Michael Kissel (*1942)

Hans-Michael Kissel, 1942 in Worms geboren, ist ein bedeutender deutscher Vertreter der kinetischen Kunst. Nach einer Ausbildung in Metallgestaltung und Studien an den Hochschulen in Hanau und Schwäbisch Gmünd entwickelt er eine eigenständige künstlerische Sprache. Diese verbindet Bewegung, Leichtigkeit und technische Präzision miteinander.

Seit 1970 arbeitet er als freischaffender Künstler und schafft vor allem bewegliche Metallskulpturen – sogenannte kinetische Kunst –, welche durch Wind oder Mechanik in Bewegung versetzt werden. In seinen Werken geht es oft um das Verhältnis von Menschen, Natur und Kosmos, das durch Motive wie Fliegen, Schweben und Transformation erweitert wird. Charakteristisch ist dabei die scheinbare Schwerelosigkeit seiner oft sehr großen Arbeiten.

Zahlreiche seiner Skulpturen befinden sich heute im öffentlichen Raum und prägen diesen als bewegte Landmarken, unter anderem in Mannheim, Heidelberg, Leipzig und Berlin. Sie verbinden Bildhauerei mit ingenieurtechnischem Denken und erheben die Bewegung selbst zum zentralen Gestaltungselement.

Hans-Michael Kissel, Baum der Eitelkeit
Foto: St. Rothenstein
Hans-Michael Kissel, Baum der Eitelkeit
Foto: St. Rothenstein

Zur Arbeit

Ein zentrales Motiv der Menschheitsgeschichte wird von Hans-Michael Kissel in seinem 1992 entstandenen Kunstwerk aufgegriffen. Der sieben Meter hohe „Baum der Eitelkeit“ symbolisiert die Suche des Menschen nach Selbsterkenntnis, die mit dem Verlust des Paradieses beginnt. Das Werk verweist symbolisch durch die reflektierenden Oberflächen des Chromstahls auf den Spiegel als Instrument der Selbstbetrachtung und zugleich auf die menschliche Neigung, sich selbst ins Zentrum der Welt rücken zu wollen.

Die Blätter der baumähnlichen Skulptur sind spiegelnd und beweglich. Sie reagieren auf den Wind und erzeugen ein sich ständig wandelndes Spiel aus Reflexionen. Die Betrachter*innen erscheinen darin, wenn überhaupt, nur noch als flüchtiges, fragmentiertes Bild, das sich kaleidoskopartig mit seiner Umgebung vermischt, wobei das Bild nur kurz zu sehen ist und sich schnell wieder verändert. Auf diese Weise relativiert Kissel die menschliche Selbstwahrnehmung und verortet den Menschen als Teil eines größeren Ganzen, eingebunden in Natur und Bewegung statt als deren Mittelpunkt. (AT)