• Künstler:in Dieter Lahme
  • Titel Stadtpflanze
  • Jahr 1979
  • Kategorie Brunnen
  • Material Edelstahlplatten, geschweißt
  • Standort aktuell / Jahr Neckarpromenade, 68167 Mannheim

Dieter Lahme (*1938)

Dieter Lahme wächst im Südschwarzwald auf und besucht die Kunstgewerbeschule in Basel (Grafik, Design). Ab 1960 lebt er in Mannheim und verdient seinen Unterhalt als Grafiker bei der Firma Boehringer. Ab 1963 arbeitet er als freier Künstler und engagiert sich in der Region und der Stadt. Ab 1975 setzt er sich verstärkt mit Architektur und stadtraumbezogener Kunst auseinander und beteiligt sich bei entsprechenden Wettbewerben. 1984–1986 ist er erster Vorsitzender des Landesverbandes Bildender Künstler Baden-Württemberg.
Ab 1982 entstehen seine sogenannten Plastischen Systeme. Das sind mehrteilige kleine, streng geometrische Objekte aus massiven Eisen, die sich wie bei einem Kinderbaukasten zusammensetzen lassen und deren Aussehen und Wahrnehmung als Ganzes immer wieder neu vom Betrachter bestimmt werden.
2004 zieht Lahme nach Sachsen-Anhalt. Aus den plastischen Systemen entwickelt er das Projekt Lebenskreuz: für ihn das Symbol des gewaltfreien und partnerschaftlichen Miteinanders der Menschen mit der Schöpfung.

Zur Arbeit

Es war lange Zeit das Wahrzeichen der Neckarufer-Nordbebauung: der Brunnen „Stadtblume“. Leider fließt schon seit vielen Jahren kein Wasser mehr und die Edelstahloberflächen sind verschmutzt und beschmiert. Der Brunnen entstand im Kontext verschiedener Kunst-am-Bau-Projekte, die 1977 als sogenannte künstlerische Gestaltungsmaßnahmen für die Wohnblocks und den öffentlichen Bauobjekten, wie der Schulen, des Jugendfreizeithauses und des Kinderhauses realisiert wurden.
Dieter Lahme gewinnt den Wettbewerb zum Platanenhof und entwirft eine „Stadtpflanze“, die die drei Symbole Wasser, Pflanze und Haus bildlich zur Geltung bringen. Stengel, Blütenblätter und die Blätter einer Pflanze sind massiv und stark abstrahierte voluminöse Formen aus Edelstahl. Die Plastik steht erhöht in einem quadratischen Becken aus rot gemauerten Steinen, die die Farbe des Bodenbelags wieder aufnehmen. Im Bodenbelag sind an allen vier Ecken Mosaiken eingelassen, die noch einmal die Pflanzenform aufgreifen.

Lahme, Stadtpflanze
Beim Schweißen, 1979. Foto: Marchivum
Lahme Stadtpflanze
Beim Schweißen, 1979. Foto: Marchivum

Die Ausführung der Edelstahlarbeiten übernimmt die Mannheimer Firma Karle. Die Neue Heimat übernimmt die Kosten von 35.000 DM.
Die Gestaltung und die einzelnen Formen des Brunnens erinnern schon an Lahmes „Plastisches System“, das er Anfang der 1980er-Jahre entwirft: Es besteht aus mehrteiligen kleinen, streng geometrischen Objekten aus massiven Eisen, die er in seinen Kunstwerken immer wieder zu neuen Formen zusammensetzt.

Die Enthüllung am 22. September 1979 ist ein großes Fest mit Ansprachen vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Ratzel, dem Baubürgermeister Gormsen, dem Geschäftsführer der Neuen Heimat Baden-Württemberg Edmund Eisenberger, sehr viel Stadtprominenz, den Anwohnern und jeder Menge Kindern, die beim Enthüllen helfen und sich freuen, als endlich das Wasser sprudelt.
Die Form des Pflanzenbrunnens wird in einem weiteren Wettbewerb auch zum Logo der Neckarufer-Nordbebauung. Heute ist die ganze Anlage etwas ungepflegt und lädt nicht mehr zum Verweilen ein – obwohl es eigentlich mal so gedacht war. (SK)