• Künstler:in Arthur Lehmann, Otto Ostertag, August Köstner
  • Titel Ludwig-Frank-Denkmal
  • Jahr 1924
  • Kategorie Nicht mehr am Standort
  • Material Muschelkalkstein, Bronze (Medaillon), Steinguss (Plastik)
  • Standort alt / Jahr Unterer Luisenpark, 1924

Arthur Lehmann (1877–1948)

Der in Mönchengladbach geborene Sohn eines jüdischen Lehrers und Kantors wächst in Würzburg auf und beginnt 1897 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München. 1907 lässt er sich in Mannheim nieder und empfiehlt sich als Architekt für Villen, Wohn- und Geschäftshäuser, Fabrikbauten sowie für die künstlerische Ausstattung von Innenräumen.
1909 präsentiert die Kunsthalle Mannheim seine Entwürfe für eine Villenkolonie, die ihm in Fachkreisen Anerkennung einbringen, jedoch unrealisiert bleiben. Abgesehen von einem Kindererholungsheim, das er 1911 in Bad Dürkheim errichtet, bleibt seine Bautätigkeit weitgehend auf kleinere Projekte beschränkt, etwa den Umbau von Geschäftsräumen. Ein zweites Standbein bilden Aufträge für Bühnendekorationen und andere künstlerische Ausstattungen. Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld ist seine journalistische Arbeit. Er schreibt über Kunst- und Bauausstellungen und etabliert sich zugleich als Theaterkritiker. Über viele Jahre ist er zudem Geschäftsführer des Mannheimer Kunstvereins und engagiert sich in der Mannheimer Ortsgruppe des Bundes Deutscher Architekten.

Zur Arbeit

Das Denkmal ehrt den 1914 im Ersten Weltkrieg gefallenen Mannheimer Sozialdemokraten Ludwig Frank. Anlässlich seines 10. Todestages entsteht es auf Initiative des demokratischen Wehrverbands Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Die Ausführung nach dem Entwurf Arthur Lehmanns übernimmt der Bildhauer August Köstner, der die Anlage vor Ort – am Eingang zum Unteren Luisenpark – in einem Stück aus Kunstgranit gießt. Nach seiner Fertigstellung wird das Denkmal am 28. September 1924 feierlich der Öffentlichkeit übergeben und in die Obhut der Stadt Mannheim gestellt.

Lehmann grenzt das Monument bewusst von traditionellen, figurativen Gefallenendenkmälern ab. Er gestaltet es als stufenförmige Pyramide, die ihre monumentale Wirkung aus den geschichteten Kunstgranitblöcken bezieht und von einer stilisierten steinernen Flamme als Symbol des Gedenkens bekrönt wird. Die Formensprache bewegt sich zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit und folgt damit modernen Kunstströmungen der Weimarer Republik. Eine Inschrift zitiert einen Satz Ludwig Franks: „Einer muss die Fundamente gesehen haben, die Fundamente des neuen Staates.“ In der architektonischen Gestalt des Denkmals findet dieser Gedanke eine prägnante bildliche Entsprechung. Damit ist es ein Beispiel politisch-programmatischer Erinnerungsarchitektur der Weimarer Republik, das demokratische Werte und Zukunftsorientierung betont. Ein Medaillon mit Franks Porträt, nach dem Entwurf des Bildhauers Otto Ostertag in Bronze gegossen, schmückt den oberen Würfel. Seitlich angebrachte Haken dienen dazu, bei Gedenkfeiern Kränze zu befestigen.

Von Beginn an stößt das Denkmal auf entschiedenen Widerstand nationalsozialistischer und anderer rechtsextremer Kreise. Als Erinnerungsort an einen jüdischen Sozialdemokraten wird es wiederholt geschändet und nach der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten im Zuge der Gleichschaltung der Stadtverwaltung schließlich vollständig zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht ein Ersatzdenkmal, für das ausgerechnet eine in der NS-Zeit entstandene Skulptur des im Nationalsozialismus vom Regime geförderten Künstlers Bernhard Bleeker Verwendung findet. (AS)