Ben Muthofer (1937–2020)
Ben (Norbert) Muthofer ist ein Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst. Seine Werke sind in internationalen Sammlungen vertreten. 1952–55 macht er eine Handwerkslehre in Erfurt, besucht anschließend bis 1958 die Werkkunstschule Bielefeld und wechselt von dort an die Akademie der Bildenden Künste München, wo er 1962–64 Meisterschüler von Ernst Geitlinger ist.
Schon 1966 entstehen erste Faltplastiken. 1968 geht Muthofer in die USA, wo er u. a. für Alexander Calder arbeitet. Die Art Association St. Louis verleiht ihm den 1. Preis für Skulptur. 1968–75 lehrt er Skulptur an der Washington University in St. Louis (Missouri). 1982 erhält Muthofer ein Stipendium der Prinz-Luitpold-Stiftung und gründet mit Heinz Gruchow „vertikal – diagonal – horizontal“, eine lose Künstlervereinigung, die zahlreiche Ausstellungen gleichen Titels in verschiedenen Städten realisiert. 1988 wird Ben Muthofer auf eine Professur an der Myndlista - og handíðaskóli Íslands (Schule für bildende Kunst und Kunsthandwerk) in Reykjavík berufen. 1993 kehrt er nach Deutschland zurück und lebt und arbeitet in München und Kirn/Obb. Ab 1997 baut er in Ingolstadt für sich Werkstatt, Studio und Ausstellungshalle. Im Jahr 2000 wird ihm der Bayerische Staatspreis „Rhythmus in der konkreten Kunst“ verliehen.
Konstruktiv-konkrete Kunstwerke sind autonom und gehen nicht auf einen gegenständlichen Ausgangspunkt zurück. Zugrunde liegen geometrische Grundformen (Dreieck, Rechteck, Quadrat, Kreis).
Zur Arbeit
Man muss sie umschreiten, die beiden Stelen von Ben Muthofer, denn es gibt keine Hauptansichtsseite. Und erst im Rundumblick erschließen sich die Formen, die an gefaltetes Papier erinnern. Nicht von ungefähr, denn der Künstler Ben Muthofer hat sich intensiv mit der Technik des Origami auseinandergesetzt. Seine Raumfaltungen sind aus der Fläche heraus symmetrisch aufgebaut. Von rechteckigen Grundformen ausgehend, entstehen in Muthofers Faltungen immer Dreiecke. Durch die Diagonalen entsteht der Eindruck von Bewegung und eine Dynamik, die sich über die Grenzen der Plastik in den Raum fortsetzt.
Das Dreieck hat für Ben Muthofer ein hohes Maß an Variabilität, weil ihm der Eindruck von Ruhe und Harmonie bei gleichzeitiger polarer Spannung zu eigen ist. Muthofer verzichtet auf Farbe, für seine Stelen wählt er die Nicht-Farbe Weiß, denn ihm geht es um das Zusammenspiel von Form, Licht und Schatten. Die scheinbare Leichtigkeit der Arbeiten und das Licht-Schatten-Spiel auf den weißen Oberflächen kommt derzeit leider nicht zur Geltung, denn die Oberflächen sind bemoost und der Lack an vielen Stellen aufgeplatzt, darunter rosten die beiden Stelen. Man stelle sich also diese beiden Raumfaltungen strahlend weiß in der Umgebung des Luisenparks vor. Muthofer geht es nicht allein um mathematische Klarheit der geometrischen Formen, er versteht seine Plastiken vielmehr als „Sinn setzende Zeichen“.
Die 1990 entstandenen „Raumfaltungen“ wurden 1993 von Heinrich Vetter angekauft, der sie als Geschenk an die Stadt Mannheim gegeben hat. Sie stehen auf dem Skulpturenweg im Luisenpark. (KB)