Zur Arbeit
Unter den Eisenschrott-Montagen von Hans Nagel ist diese Arbeit quasi eine Ausnahme, denn sie besteht aus zwei Einzelplastiken, die scheinbar zusammengewachsen sind. Sie wirkt sehr kraftvoll und beim Betrachten von vorne, mit dem Waldpark im Hintergrund, erweckt sie den Eindruck, als ob die rechte Seite der Arbeit mit etwas Schwung gegen die linke stößt und diese etwas verschiebt.
Die Aufstellung der Arbeit 1965 im Mannheimer Stadtteil Lindenhof löst eine große öffentliche Diskussion über moderne, abstrakte Kunst aus. Interessant ist in diesem Fall v.a. eines: Moderne Kunstwerke, die zu dieser Zeit schon im Umfeld der Kunsthalle stehen, werden nicht in dieser Form öffentlich diskutiert - hier ist also ein gesellschaftlich anerkannter „genehmigter Freiraum“ für abstrakte und moderne Kunst.
Wie kommt es dazu? Kurz nach der Ausstellung von Hans Nagel in der Kunsthalle Mannheim (Februar/März 1965) einigt sich der Kunstbeirat der Stadt Mannheim auf den Ankauf der Plastik durch das Grünflächenamt für 12.000 DM. Sie wird an dem heutigen Platz aufgestellt, die Zeitungen berichten. Die Auseinandersetzung beginnt mit zwei Leserbriefen, die zu einer mehrmonatigen Auseinandersetzung führt. Dabei entgleist auch die Wortwahl: Nagel wird diffamiert, und die Arbeit u.a. als „entartete Kunst“ bezeichnet. Überhaupt wird sehr viel Vokabular aus der NS-Zeit verwendet. Der Ankauf wird als Verschwendung öffentlicher Gelder bezeichnet. Der Mannheimer Morgen greift diese Leserbriefe auf und bittet um eine Stellungnahme, die der Deutsche Werkbund - Gruppe Mannheim übernimmt. Diese heizt die Debatte aber weiter an, weil sie etwas belehrend ist und kritisch anmerkt, dass „die Auseinandersetzung mit abstrakter Kunst [..]. für Publikum und Künstler nur förderlich sein kann.“
Dann greift Dr. Heinz Fuchs, der damalige Direktor der Kunsthalle Mannheim, im Juli 1965 ein und versucht in einem langen Brief zu vermitteln. Er bemüht darin etwa die abstrakten Formen der Architektur, die auch nicht immer leicht zu verstehen sind, aber trotzdem von den Bürgern akzeptiert werden.
Die Diskussion um die „Zwei große Formen“ zieht sich noch bis Sommer 1968. Heute wird sie von den Spaziergänger:innen im Waldpark kaum mehr wahrgenommen. (SK)