• Künstler:in Hans Nagel
  • Titel AP 5, Reliefwand
  • Jahr 1962
  • Kategorie Wandobjekt
  • Material Beton
  • Objektmaße (ohne Sockel) 300 x 1850 cm
  • Standort aktuell / Jahr L 1, 1, Innenhof, Zugang von Schloss-Seite

Hans Nagel (1926–1978)

Hans Nagel ist 1926 in Frankfurt geboren. 1928 zieht er mit seiner Familie nach Heidelberg. Von 1941–45 erhält er bei Will Sohl Zeichenunterricht.
Durch ein Stipendium kann er im März 1945 das Notabitur machen. 1947 beginnt er mit dem Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Das ist ihm zu traditionell, und er beginnt autodidaktisch mit der Bildhauerei.

1953 zieht er nach Mannheim. Seinen Lebensunterhalt verdient er zu dieser Zeit mit Architekturmodellen und Gebrauchsgrafik und auch von 1949–1955 durch die Lehrtätigkeit beim amerikanischen Special Service und im Amerikahaus in Heidelberg.
1962 zieht er nach Ziegelhausen, ist aber weiterhin Lehrer an der Freien Akademie Mannheim für plastisches Gestalten.

1965/66 ist er Dozent für Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 1973 geht er nach Berlin an die damalige staatliche Hochschule für bildende Kunst – heute Universität der Künste Berlin. Auf einer Dienstreise in Bonn stirbt er 1978 überraschend an Herzversagen.

Zur Arbeit

Ab dem Jahr 1958 schafft Hans Nagel Arbeiten, die er „Architekturplastiken“ (AP) nennt. Dabei handelt es sich um Werke, die fest mit einem Gebäude verbunden sind oder als architekturbezogene Freiplastiken und Wandgestaltungen realisiert sind – wie die Reliefwand AP 5 von 1962 aus Beton im Innenhof des ehemaligen Gesundheitsamtes L 1.

Die Reliefwand wurde als Raumteiler für die Fläche zwischen zwei langgestreckten Gebäuden konzipiert. Das Relief entstand vor Ort in einem Guss und ist nur auf der dem Schloss zugewandten Seite reliefartig gestaltet. Gut sichtbar und von Nagel beabsichtigt sind die Panelstrukturen der Verschalung, die die einzelnen Reliefformen im Wechsel horizontal und vertikal gliedern. Die vorspringenden geometrischen Formen wirken, als würden sie sich von unten nach oben aufbauen – ineinander verschachtelt oder aber wie organisch auseinandergewachsen. Auf dem Paltz davor befindet sich ein Springbrunnen.

Inzwischen nagt „der Zahn der Zeit“ an der Arbeit. Durch die Witterung hat sich die Oberflächenbeschaffenheit des Betons verändert; stellenweise ist die Oberfläche ausgewaschen, sodass die Kieselsteine aus der Betonmischung sichtbar sind. Der dahinter angebaute Gebäudekomplex mit den Seminarräumen der Industrie- und Handelskammer Mannheim wurde in den 1990-er Jahren gebaut. Dadurch ist das ursprüngliche Konzept der Reliefwand als Raumteiler heute nicht mehr zu erkennen. Auch der Springbrunnen ist verschwunden. Zum Glück wurde das Werk aber nicht entfernt! (CS)