• Künstler:in Otto Schließler
  • Titel Frauenkopf
  • Jahr 1924
  • Kategorie Skulptur
  • Material Sandstein oder Kunststein
  • Standort aktuell / Jahr Villa, Otto-Beck-Str. 40, 68165 Mannheim, 1924

Otto Schließler (1885–1964)

Der in Forbach im Schwarzwald geborene Otto Schließler war im süddeutschen Raum viel beachteter Bildhauer. Seine Karriere beginnt im Kaiserreich und setzt sich in der Weimarer Republik erfolgreich fort. Nach 1933 integriert er sich nahtlos in den Kunstbetrieb des NS-Regimes, was einen Schatten auf sein Werk wirft.
Als Sohn eines Bauunternehmers besucht Schließler 1902–1903 die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Anschließend ist er bis 1914 Meisterschüler des Bildhauers Hermann Volz an der Akademie der bildenden Künste Karlsruhe. Studienreisen führten ihn nach Florenz und Rom, und zeitweise betreibt er sein Atelier in einem Seitenbau des Schwetzinger Schlosses. Seine Werke werden mehrfach ausgestellt und ausgezeichnet.

1933 wird er als Professor für Bildhauerei an die Karlsruher Akademie berufen. In der Folge erhält er staatliche Aufträge, darunter Porträtbüsten Adolf Hitlers. 1944 nimmt ihn Joseph Goebbels in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste auf. Damit gehört er zu den Künstlern, die das Regime als besonders bedeutend einstuft. Trotz seiner Verstrickung in die NS-Kunst erfährt Schließer nach 1945 weiterhin Anerkennung.

Zur Arbeit

Der Frauenkopf bekrönt das Portal des Wohnhauses, das die Mannheimer Architekten Hermann Esch (1879–1956) und Arno Anke (1923–1924) für den Ingenieur und späteren Direktor der Firma Brown Boveri & Cie., Ludwig Roebel, errichtet haben. Das elegante zweigeschossige Haus ist ein Beispiel des Übergangsstils jener Zeit: Es verbindet traditionelle Gestaltungsmerkmale wie Walmdach, Fensterachsen und Mittelportal mit einer architektonischen Ausdrucksweise, die in die Neue Sachlichkeit überleitet. Damit einhergehend ergänzen sich barockisierende Elemente und dekorative Details des Art déco. Dieses Prinzip zeigt sich insbesondere beim Frauenkopf, der ein traditionelles Schmuckelement in zeitgemäßer Weise interpretiert.

Auffallend sind die asymmetrische Frisur und die Kopfbedeckung, die der Mode der 1920er-Jahre entsprechen. Zudem zeigt die Büste individuellen Gesichtszüge, was darauf hindeutet, dass hier eine konkrete, mit dem Haus verbundene Person dargestellt ist. Vermutlich handelt es sich um ein Porträt von Emilie Roebel, geb. Eccard, der Ehefrau des Bauherrn. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Gebäudes ist sie 33 Jahre alt – etwa dieses Alter zeigt auch die dargestellte Person. (AS)