• Künstler:in Otto Schließer
  • Titel Brunnenfigur (Frau)
  • Jahr ca. 1928
  • Kategorie Brunnen
  • Material Bronze
  • Standort aktuell / Jahr Richard-Böttger-Heim, Meeräckerplatz 4, 68163 Mannheim, im Gartenhof

Otto Schließler (1885–1964)

Der in Forbach im Schwarzwald geborene Otto Schließler war ein im süddeutschen Raum viel beachteter Bildhauer. Seine Karriere beginnt im Kaiserreich und setzt sich in der Weimarer Republik erfolgreich fort. Nach 1933 integriert er sich nahtlos in den Kunstbetrieb des NS-Regimes, was einen Schatten auf sein Werk wirft.

Als Sohn eines Bauunternehmers besucht Schließler 1902–1903 die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Anschließend ist er bis 1914 Meisterschüler des Bildhauers Hermann Volz an der Karlsruher Akademie der bildenden Künste. Studienreisen führten ihn nach Florenz und Rom, und zeitweise betreibt er sein Atelier in einem Seitenbau des Schwetzinger Schlosses. Seine Werke werden mehrfach ausgestellt und ausgezeichnet. 1933 wird er als Professor für Bildhauerei an die Karlsruher Akademie berufen. In der Folge erhält er staatliche Aufträge, darunter Porträtbüsten Adolf Hitlers. 1944 nimmt ihn Joseph Goebbels in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste auf. Damit gehört er zu den Künstlern, die das Regime als besonders bedeutend einstuft. Trotz seiner Verstrickung in die NS-Kunst erfährt Schließler nach 1945 weiterhin Anerkennung.

Zur Arbeit

Die Bronzeplastik schmückt den Gartenhof des Richard-Böttger-Heims, das 1927–1928 nach Entwürfen des Leiters des Mannheimer Hochbauamts, Josef Zizler, als städtisches Altersheim errichtet wird. Die Planung des Heims berücksichtigt das für seine Zeit innovative Konzept des betreuten Wohnens, das sich an ältere Menschen richtet, die noch keiner Pflege bedürfen. Dabei verbindet die Einrichtung sozialreformerische Ansätze mit einer qualitätvollen Architektur zwischen Tradition und Moderne und bezieht zugleich die bildende Kunst in das Gestaltungskonzept ein.

Die Plastik wird als Brunnenfigur entworfen und zeigt eine auf einem Steinsockel kniende nackte junge Frau, die in ihrer linken Hand eine Schale hält. Beim Betrieb des Brunnens ergießt sich aus dieser Schale Wasser in das darunterliegende rechteckige Becken. Die naturalistische Darstellung steht in der Tradition idealisierter weiblicher Aktfiguren nach dem prototypischen Vorbild antiker Bildwerke. Zugleich greift sie ein klassisches Motiv der europäischen Kunst auf, bei dem Wasser als Sinnbild von Leben, Reinheit und Erneuerung erscheint. In diesem Zusammenhang verkörpert die Plastik die Jugend und zählt so zu einer Reihe von Kunstwerken des Seniorenheims, die verschiedene Lebensalter thematisieren.

Sowohl in ihrer inhaltlichen Aussage als auch in ihrer gestalterischen Ausprägung fügt sich die Figur in das Gesamtkonzept des Heims ein, das seinen Bewohnerinnen und Bewohnern eine harmonische Verbindung von Architektur, Natur und Kunst bieten sollte. Heute beeinträchtigen ausgeprägte Verschmutzungs- und Korrosionsschäden die ästhetische Wirkung der Bronzeplastik.(AS)