• Künstler:in Otto Schließler
  • Titel Freundschaft
  • Jahr 1930
  • Kategorie Skulptur
  • Material Stein
  • Standort aktuell / Jahr Helene-Lange-Schule, Ecke Hugo-Wolf-Straße/Weberstraße, 1930

Otto Schließler (1885–1964)

Der in Forbach im Schwarzwald geborene Otto Schließler war im süddeutschen Raum viel beachteter Bildhauer. Seine Karriere beginnt im Kaiserreich und setzt sich in der Weimarer Republik erfolgreich fort. Nach 1933 integriert er sich nahtlos in den Kunstbetrieb des NS-Regimes, was einen Schatten auf sein Werk wirft.
Als Sohn eines Bauunternehmers besucht Schließler 1902–1903 die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Anschließend ist er bis 1914 Meisterschüler des Bildhauers Hermann Volz an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Studienreisen führten ihn nach Florenz und Rom, und zeitweise betreibt er sein Atelier in einem Seitenbau des Schwetzinger Schlosses. Seine Werke werden mehrfach ausgestellt und ausgezeichnet.

1933 wird er als Professor für Bildhauerei an die Karlsruher Akademie berufen. In der Folge erhält er staatliche Aufträge, darunter Porträtbüsten Adolf Hitlers. 1944 nimmt ihn Joseph Goebbels in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste auf. Damit gehört er zu den Künstlern, die das Regime als besonders bedeutend einstuft. Trotz seiner Verstrickung in die NS-Kunst erfährt Schließer nach 1945 weiterhin Anerkennung.

Otto Schließler, Freundschaft
Foto: St. Rothenstein
Otto Schließler, Freundschaft
Foto: St. Rothenstein

Zur Arbeit

Die Skulptur bekrönt die Hofmauer der Helene-Lange-Schule, die 1928–1930 als Mädchenberufsschule errichtet worden ist. Die Unterrichtsgebäude – für 4.000 Schülerinnen konzipiert – stammen vom damaligen Leiter des städtischen Hochbauamts, Josef Zizler. Sie bilden einen imposanten Komplex im Stil der Neuen Sachlichkeit, in den die Skulptur harmonisch einfügt ist, zugleich aber zur Straße hin einen markanten Akzent setzt.

Die Skulptur formt sich aus einer Stele, aus der zwei junge Frauen plastisch hervortreten. Sie ist aus dunklem Klinker gemauert und führt so das prägende Material der Architektur fort. Die beiden Figuren setzen sich aus Steinblöcken zusammen, die durch Materialität, Farbigkeit und helle Fugen Eigenschaften des Mauerwerks aufnehmen. Die Frauen sind in schreitender Bewegung dargestellt, tragen lange Gewänder, die so wie das Haar leicht bewegt wirken. Eine der beiden hebt die rechte Hand in einer Geste, als weise sie im Gespräch auf etwas hin. 1930 ist die Skulptur als Bildwerk beschrieben, das die Freundschaft und die frohe ins Leben schreitende Jugend darstelle. (AS)