Otto Schließler (1885-1964)
Der in Forbach im Schwarzwald geborene Otto Schließler ist ein im süddeutschen Raum viel beachteter Bildhauer. Seine Karriere beginnt im Kaiserreich und setzt sich in der Weimarer Republik erfolgreich fort. Nach 1933 integriert er sich nahtlos in den Kunstbetrieb des NS-Regimes, was einen Schatten auf sein Werk wirft.
Als Sohn eines Bauunternehmers besucht Schließler 1902-1903 die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Anschließend ist er bis 1914 Meisterschüler des Bildhauers Hermann Volz an der Karlsruher Akademie der bildenden Künste. Studienreisen führten ihn nach Florenz und Rom, und zeitweise betreibt er sein Atelier in einem Seitenbau des Schwetzinger Schlosses. Seine Werke werden mehrfach ausgestellt und ausgezeichnet. 1933 wird er als Professor für Bildhauerei an die Karlsruher Akademie berufen. In der Folge erhält er staatliche Aufträge, darunter Porträtbüsten Adolf Hitlers. 1944 nimmt ihn Joseph Goebbels in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste auf. Damit gehört er zu den Künstlern, die das Regime als besonders bedeutend einstuft. Trotz seiner Verstrickung in die NS-Kunst erfährt Schließler nach 1945 weiterhin Anerkennung.
Zur Arbeit
Die Skulptur der heiligen Teresa befindet sich an der zum Neckar orientierten Fassade des Theresienkrankenhauses, das 1925-1929 vom katholischen Orden der barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul nach dem Entwurf des Mannheimer Architekten Josef Kuld errichtet wird. Die zur Bassermannstraße hin u-förmige Anlage verbindet neubarocke Gestaltungselemente mit einer zur Neuen Sachlichkeit überleitenden, reduzierten Formensprache. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das schwer beschädigte Krankenhaus instandgesetzt, aufgestockt und schließlich ab Mitte der 1950er-Jahre im funktionalen Stil der Nachkriegsjahre umfangreich erweitert.
Die Skulptur schmückt den rückwärtigen, erhöhten Mittelrisalit, der auf die Bauphase der 1920er-Jahre zurückgeht, aber modern überformt ist. Ein zweigeschossiger Vorbau mit offenem Erdgeschoss dient als Eingang für Krankentransporte. Darüber befindet sich im dritten Obergeschoss die Statue der heiligen Teresa von Avila, der Schutzpatronin des Krankenhauses. Die spanische Ordensfrau, Mystikerin und Kirchenlehrerin (1515-1582) ist seit ihrer Heiligsprechung 1622 eine der am meisten verehrten weiblichen Heiligen der katholischen Kirche.
Otto Schließler stellt die Heilige im Ornat ihres Ordens, der Karmeliterinnen, dar: in ruhiger, aufrechter Gestalt, mit leicht betonter frontal-ikonischer Wirkung. Ein Heiligenschein rahmt den Kopf. Die rechte Hand hält einen Federkiel, die linke ein Buch. Beide Attribute verweisen auf die schriftstellerische Tätigkeit Teresas, deren mystische Schriften zu den bedeutendsten Werken der spanischen Spiritualität des 16. Jahrhunderts zählen. Auffallend ist die vergrößerte Darstellung der linken Hand – vielleicht ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung Theresias als Kirchenlehrerin.
Darüber hinaus lässt sich die Besonderheit auf die ausgeprägte Verehrung ihrer linken Handreliquie beziehen. Die Skulptur steht auf einer halbkugelartigen Konsole. Diese kann als Sinnbild der Welt beziehungsweise der Sphäre des Irdischen gedeutet werden, die von der Heiligen geistig überwunden wird.(AS)