• Künstler:in Edgar Schmandt
  • Titel Der große Baum (Licht und Schatten)
  • Jahr 1968
  • Kategorie Wandobjekt
  • Material Glas, verspiegelt
  • Objektmaße (ohne Sockel) 170 qm
  • Standort aktuell / Jahr L 4, 4–6, 68161 Mannheim

Edgar Schmandt (1929–2019)

Edgar Schmandt ist eigentlich Maler. Sein Gesamtwerk zeichnet sich durch eine gründliche Vorbereitung und Recherche aus. Jede Serie ist das Resultat umfangreicher Studien und einer Vielzahl von Skizzen, die es ihm ermöglichen, komplexe Themen und menschliche Erfahrungen tiefgehend zu untersuchen. Durch seine Kunst bietet Schmandt einen kritischen Blick auf die Menschheit und deren Verhalten, stets darauf bedacht, auch sich selbst zu hinterfragen und Betrachtende zur Reflexion anzuregen. Aber auch in seine zahlreichen Entwürfe für Kunst-am-Bau-Projekte in und um Mannheim, steckt er viel Zeit und sucht passende und kreative Lösungen für verschiedenste bauliche Voraussetzungen.

Zur Arbeit

Auf dem Gelände in L 4, 4–6, dem ehemaligen Kosakenflügels, plant und baut das Hochbauamt Mannheim 1963 bis 1966 ein neues 5-geschossiges Gebäude für das Landesarbeits- und Arbeitsgericht, die Hochschulbauleitung, Räume für die Wirtschaftsschule sowie das Hochbauamt selbst (heute: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim und Heidelberg). Teil des für diese Zeit typischen Stahlbetonskelettbaus ist ein großzügiges Treppenhaus mit einer Glasfassade zum Hof.
Die Glasfassade für das Dienstgebäude ist eines von vielen Kunst-am-Bau-Projekten, die Edgar Schmandt als Wettbewerbsgewinner verwirklichen kann. Die erste Version der Außenwand aus Glas gestaltet er 1968. Seine Komposition wirkt holzschnittartig und die gewählten Formen expressiv und dynamisch. Sie spielt mit den Bewegungsabläufen einer Treppe und der Flurnutzung. Die insgesamt 30 Scheiben bestehen aus auf verschiedene Arten bearbeitetem Glas. Von innen sind Teilflächen der Wand verspiegelt, sodass Besucher:innen sich selbst sehen können. Diese Flächen sind von außen weiß oder blau gehalten. Die übrigen Wandbereiche sind aus undurchsichtigem Milchglas, sodass zwar Licht in das Gebäude einfallen kann, der Blick auf den unschönen Innenhof jedoch verwehrt bleibt. Diese Art der Verglasung wird weltweit zum ersten Mal in diesen Dimensionen ausgeführt und stellt dementsprechend eine technische Herausforderung dar.

Fassade L4,
1968, R. Häusser
Fassade L4
1968, R. Häusser

Nach 50 Jahren zeigen sich immer mehr Schäden an der Fassade, die nicht repariert werden können. Sie ist zunehmend undicht und es drohen Scheiben herauszufallen. Hinzu kommen neue Erdbebenrichtlinien, die dazu führen, dass Vermögen und Bau eine neue Fassade für das Gebäude benötigt.

Fassade L4
ca. 2015, Foto: privat
Fassade L4
ca. 2015, Foto: privat

Edgar Schmandt erklärt sich erneut dazu bereit, einen Entwurf zu gestalten. Das bietet dem Künstler die besondere Gelegenheit, sein eigenes Werk neu zu interpretieren. Die erste Version der Außenwand aus Glas trägt keinen Titel. Die Neuinterpretation nennt Schmandt „Großer Baum (Licht und Schatten)“. Auch diese Komposition setzt sich aus insgesamt 30 Glasscheiben zusammen, bildet allerdings einen starken Kontrast zur Gestaltung aus den 60er-Jahren.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in den weichen und runden Formen, die diesmal den Blick in den mittlerweile neu gestalteten Innenhof zulassen. Es gibt viele Ein- und Ausblicke und das Treppenhaus wird von Licht durchflutet. Auch von außen werden alle fünf Stockwerke nun sichtbar. Wiederholt integriert Schmandt die Bewegung der Treppe und der „große Baum“ der Fassade bahnt sich dynamisch einen Weg nach oben. Er versucht auch die Stellen aufzunehmen, auf denen Besucher:innen in einem Stockwerk ankommen. Verspiegelte Flächen sind nicht mehr nötig. (SD)

Hier finden Sie einen Film, der die Transformation der Fassade beschreibt und einen Blick ins Innere des Gebäudes ermöglicht.