Edgar Schmandt (1929–2019)
Edgar Schmandt ist eigentlich Maler. Sein Gesamtwerk zeichnet sich durch eine gründliche Vorbereitung und Recherche aus. Jede Serie ist das Resultat umfangreicher Studien und einer Vielzahl von Skizzen, die es ihm ermöglichen, komplexe Themen und menschliche Erfahrungen tiefgehend zu untersuchen. Durch seine Kunst bietet Schmandt einen kritischen Blick auf die Menschheit und deren Verhalten, stets darauf bedacht, auch sich selbst zu hinterfragen und Betrachtende zur Reflexion anzuregen. Aber auch in seine zahlreichen Entwürfe für Kunst-am-Bau-Projekte in und um Mannheim, steckt er viel Zeit und sucht passende und kreative Lösungen für verschiedenste bauliche Voraussetzungen.
Zur Arbeit
Auf dem Gelände in L 4, 4–6, dem ehemaligen Kosakenflügels, plant und baut das Hochbauamt Mannheim 1963 bis 1966 ein neues 5-geschossiges Gebäude für das Landesarbeits- und Arbeitsgericht, die Hochschulbauleitung, Räume für die Wirtschaftsschule sowie das Hochbauamt selbst (heute: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim und Heidelberg). Teil des für diese Zeit typischen Stahlbetonskelettbaus ist ein großzügiges Treppenhaus mit einer Glasfassade zum Hof.
Die Glasfassade für das Dienstgebäude ist eines von vielen Kunst-am-Bau-Projekten, die Edgar Schmandt als Wettbewerbsgewinner verwirklichen kann. Die erste Version der Außenwand aus Glas gestaltet er 1968. Seine Komposition wirkt holzschnittartig und die gewählten Formen expressiv und dynamisch. Sie spielt mit den Bewegungsabläufen einer Treppe und der Flurnutzung. Die insgesamt 30 Scheiben bestehen aus auf verschiedene Arten bearbeitetem Glas. Von innen sind Teilflächen der Wand verspiegelt, sodass Besucher:innen sich selbst sehen können. Diese Flächen sind von außen weiß oder blau gehalten. Die übrigen Wandbereiche sind aus undurchsichtigem Milchglas, sodass zwar Licht in das Gebäude einfallen kann, der Blick auf den unschönen Innenhof jedoch verwehrt bleibt. Diese Art der Verglasung wird weltweit zum ersten Mal in diesen Dimensionen ausgeführt und stellt dementsprechend eine technische Herausforderung dar.