• Künstler:in Gustav Seitz
  • Titel Flensburger Venus
  • Jahr 1963
  • Kategorie Plastik
  • Material Bronze
  • Objektmaße (ohne Sockel) 275 cm Länge
  • Standort aktuell / Jahr Herzogenriedpark, Hochuferstraße, 68167 Mannheim, Sonnenterrasse, 1982

Gustav Seitz (1904-1969)

Gustav Seitz wurde 1906 in Mannheim-Neckarau geboren. Von 1922 bis 1924 machte er eine Ausbildung bei dem Bildhauer August Dursy in Ludwigshafen. Im Anschluss studierte er von 1924 bis 1925 an der Landeskunstschule Karlsruhe. 1925 begann er sein Studium der Bildhauerei an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst Berlin, zunächst bei Ludwig Gies, ab 1928 war er Meisterschüler von Wilhelm Gerstel, von 1933 bis 1938 bei Hugo Lederer. 1946 wurde er als Professor für plastisches Gestalten an die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg berufen. 1950 wurde er wegen der Mitgliedschaft in der neugegründeten Deutschen Akademie der Künste Berlin/DDR aus diesem Amt entlassen. Er ist damit ein Beispiel für die dogmatische Haltung und damit einhergehenden Restriktionen im Kulturbereich, die die Trennung in Ost- und Westdeutschland mit sich brachten. 1958 zog Seitz von Berlin nach Hamburg, wo er an der Hochschule für bildende Künste lehrte. Sein Werk ist dort, aber auch in Mannheim in öffentlichem, aber auch in privatem Besitz repräsentativ vertreten. Er wurde jedoch auch international wahrgenommen, so stellte er auf der documenta II (1959) und III (1964) in Kassel aus und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig (1968). Luise Seitz, die Frau des Künstlers, verfügte testamentarisch die Errichtung der 1989 in Hamburg gegründeten Gustav Seitz Stiftung, um den künstlerischen Nachlass ihres Mannes zu bewahren und die Erinnerung an Werk und Wirken des Künstlers zu pflegen. Die Stiftung hat heute ihren Sitz in Trebnitz, wo 2017 auf dem Campus Schloss Trebnitz das Gustav Seitz Museum eröffnet wurde.

Das Werk von Seitz war zeitlebens der Darstellung der menschlichen Figur gewidmet. Neben der vollplastischen, meist weiblichen Gestalt galt sein Interesse dem Porträt und dem Relief. Geprägt durch die Formauffassung seines Lehrers Gerstel sowie durch die Kunst des Franzosen Aristide Maillol, waren die Figuren des Künstlers zunächst von klarem, ruhigem und geschlossenem Aufbau und klassisch harmonischer Proportionierung. In den 1950er und 60er-Jahren vollzog sich ein Wandel in seinem Schaffen, ausgelöst durch die Auseinandersetzung mit Pablo Picasso, Marino Marini und Henry Moore. Seitz entfernte sich nun zunehmend vom Naturvorbild, die menschliche Gestalt wurde reduziert, fragmentiert und abstrahiert, verlor an Volumen und Stabilität. Der Torso als Symbol für Zerstörung und Versehrtheit des Körpers gewannen an Bedeutung.

Zur Arbeit

Auch die „Flensburger Venus“ im Herzogenriedpark verlässt die realistische Darstellung hin zu einer deutlich abstrahierten Darstellungsform. Auch wenn die liegende Bronzefigur als Frauenkörper zu erkennen ist, sind die einzelnen Körperpartien abstrahiert. Die Körpermitte ist durch ein massiges Volumen gekennzeichnet, während die Arme und vor allem die Beine dünn und fragmentiert geformt sind. Der schwere ruhende Körper wird nur vom angewinkelten Arm und dem gewinkelten Bein in Balance gehalten, während das zweite gestreckte Bein und der Kopf in der Schwebe bleiben. Dadurch entsteht eine labile, beinahe grotesk erscheinende Situation. Ursprünglich wurde die Skulptur für das Schwimmbad in Flensburg erarbeitet, doch war dort zu Beginn der 1960er-Jahre der Widerstand gegen die ungewohnten, abstrakten Formensprache derart groß, dass der Erwerb von städtischer Seite abgelehnt wurde. (IH)