Gustav Seitz (1904-1969)
Gustav Seitz ist in Neckarau bei Mannheim geboren. Von 1922 bis 1924 macht er eine Ausbildung bei dem Bildhauer August Dursy in Ludwigshafen. Im Anschluss studiert er von 1924 bis 1925 an der Landeskunstschule Karlsruhe. 1925 beginnt er sein Studium der Bildhauerei an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst Berlin, zunächst bei Ludwig Gies, ab 1928 war er Meisterschüler von Wilhelm Gerstel, von 1933 bis1938 bei Hugo Lederer.
1946 wird er als Professor für plastisches Gestalten an die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg berufen. 1950 wird er wegen der Mitgliedschaft in der neugegründeten Deutschen Akademie der Künste Berlin/DDR aus diesem Amt entlassen. Er ist damit ein Beispiel für die dogmatische Haltung und damit einhergehenden Restriktionen im Kulturbereich, die die Trennung in Ost- und Westdeutschland mit sich brachten. 1958 zieht Seitz von Berlin nach Hamburg, wo er an der Hochschule für bildende Künste lehrt.
Sein Werk ist dort, aber auch in Mannheim in öffentlichem und auch in privatem Besitz repräsentativ vertreten. Er stellte auf der documenta II (1959) und III (1964) in Kassel aus und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig (1968).
Luise Seitz, die Frau des Künstlers, verfüge testamentarisch die Errichtung der 1989 in Hamburg gegründeten Gustav Seitz Stiftung, um den künstlerischen Nachlass ihres Mannes zu bewahren und die Erinnerung an Werk und Wirken des Künstlers zu pflegen. Die Stiftung hat heute ihren Sitz in Trebnitz, wo 2017 auf dem Campus Schloss Trebnitz das Gustav-Seitz-Museum eröffnet wurde.
Zur Arbeit
1965 führt Seitz als Auftragsarbeit für das Wilhelmgymnasium in Hamburg die Plastik „Junge ruhende Sappho“ aus. Neben Hamburg und Mannheim gibt es einen weiteren Guss im öffentlichen Raum in Iserlohn. Seitz wird durch eine Griechenlandreise und im Kontext einer geplanten bibliophilen Edition zu Sapphos Lyrik zu der Arbeit inspiriert.
Die die griechische Dichterin Sappho lebte um 660 v. Chr auf der griechischen Insel Lesbos, ihr Werk ist lediglich durch einige Lieder oder durch Zitate überliefert. Als eine der wenigen bekannten weiblichen Dichterinnen des Altertums wurde ihre Lebensgeschichte oft romantisch verklärt.
Seitz stellte sie als aufrecht sitzende Figur dar, die in ihr langes Gewand wie eingespannt wirkt. Der linke Arm folgt der Richtung der Gewandfalten und liegt auf dem rechten Unterarm auf. Ihr Blick ist nachdenklich, nach innen gerichtet und imaginiert das Versunkensein, die geistige Tätigkeit der Dichterin. Körper und Kopf Gesicht sind vereinfacht modelliert und durch eine große Klarheit und Kompaktheit der Formen charakterisiert. Seitz bemerkte: „Ich sehe davon ab, durch übertriebene Bewegung die Geschlossenheit zu verlieren.“ (IH)