Zur Arbeit
Das Wasserbecken mit der Granitumfassung und den vier Ausbuchtungen wird 1893 mit einer hohen zentralen Fontäne in Betrieb genommen. Erst 1895 kommen die Figurengruppen auf niedrigen Steinhügeln hinzu. Die aus den aufgesperrten Fischrachen sprudelnden bogenförmigen Fontänen ergänzen die Mittelfontäne zu einem fünffachen Wasserstrahl.
Die Meeresgötter thematisieren in barocker Form das Wasser. Aus der griechischen Sagenwelt stammt Triton, der Sohn der Amphitrite und des Poseidon. Im Brunnen ist er zweimal vorhanden. Triton hat viele Gesichter. Oft ist es ein schöner und hilfreicher Jüngling. Er rettete die Argonauten, die im Schwarzen Meer mit dem Goldenen Vlies unterwegs waren. Als sie von einer Woge bis zum Tritonsee im heutigen Tunesien geschleudert wurden, erschien ihnen der schöne Wassergott und erklärte ihnen den Weg zurück. Oft wird er mit einer Spiralmuschel dargestellt, die er als Trompete benutzt. Mit ihr glättet er das stürmische Meer. Solche Tritonen sind an den seitlichen Zierpavillons des Wasserturms aus Stein dargestellt.
Die Nereiden sind die Töchter des greisen Meeresgottes Nereus, fünfzig an der Zahl. Die freundlichen Meeresnymphen (junge Mädchen) bewegen sich im Reigen tanzend und singend durch das Wasser. Auch sie stehen den in Seenot geratenen Seefahrern hilfreich zur Seite.
Die Gottheiten spielen mit schwer zu definierenden Wassertieren, die an einen Hecht erinnern.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden die Figuren mehrmals renoviert. Schäden flickt man punktuell mit Kupfer- oder Bronzeblech, das aufgenietet bzw. durch Weichlöten angebracht wird, zuletzt im Jahr 1976.
Der Name „Tritonenbrunnen“ ist in der Kunstgeschichte verbreitet, obwohl es eigentlich Nereiden- und Tritonenbrunnen heißen müsste. Während anfangs das Wasserspiel fünfstrahlig plätschert, wird einige Jahre später die Mittelfontäne abgestellt, die Fische speien ins Leere. Bis 1987 funktioniert die Brunnenanlage mit Trinkwasser. Um Kosten zu sparen, wird sie 1988 auf behelfsmäßigen Umwälzbetrieb umgestellt.
Der ursprünglich als Schmuckplatz mit Zierbrunnen angelegte Vorplatz des Wasserturms verwahrlost in den 1990er-Jahren. Die maroden Brunnenfiguren werden 1989 und 1993 eingelagert. Der Brunnen versiegt.
Im Frühjahr 1996 befasst sich der Gemeinderat mit der Frage einer Wiederherstellung des Brunnens. Die 670.000 DM Gesamtkosten erscheinen zu teuer. Der Verein „Stadtbild e. V.“ (damals noch Verein zur Pflege des historischen Stadtbildes) setzt sich für die Rekonstruktion des Brunnens ein. Unter seinem Vorsitzenden Hans Freiländer sammelt er, durch die Presse unterstützt, Spenden. Am 24. Oktober 1996 erbringt ein Benefizkonzert mit dem bekannten Altus-Sänger Jochen Kowalski im Rosengarten eine fünfstellige Summe. Als Spenden-Bausteine lässt der Verein verkleinerte bronzene Nachbildungen der Tritone und der Nereiden herstellen.
Als 1998/99 eine Tiefgarage unter dem Vorplatz des Wasserturms angelegt wird, ist der Brunnen und seine Figuren, deren Finanzierung durch den Verein gesichert ist, als krönender Abschluss der Bauarbeiten eingeplant. Die Grundsteinlegung zum Bau der Garage erfolgt am 26. Mai 1998. Der Verein vergibt den Auftrag zur Restaurierung und zum Nachguss aller vier Brunnenfiguren in Bronze an die Firma Rincker in Sinn/Dillkreis.
Die rekonstruierte Brunnenanlage wird am 17. April 1999 eingeweiht. Der mit Grünanlagen versehene Platz erfüllt wieder die Funktion, die ihm die Stadtplaner einst zugedacht hatten: ein repräsentativer und optisch ansprechender Ruheplatz im Zentrum städtischer Betriebsamkeit.
Die an verschiedenen Orten gelagerten, originalen Galvanoplastiken werden z. Z. vom Stadtbild Mannheim e.V. im Lapidarium auf Spinelli wieder vereinigt. (VK)