• Künstler:in Karl Trummer
  • Titel Wandrelief
  • Jahr 1955
  • Kategorie Wandobjekt
  • Material Savonnièrestein
  • Objektmaße (ohne Sockel) 500 x 1040 cm
  • Standort aktuell / Jahr Universität Mannheim, 1. OG Schloss Ost, Treppenhaus vor dem Lautenschläger- und Röchling-Hörsaal

Karl Trummer (1906–1957)

Geboren in Fürstenfeldbruck, absolviert er zwischen 1922 und 1927 eine Lehre als Holz- und Steinbildhauer und besuchte anschließend die Münchner Kunstgewebeschule. Ab 1930 lebt er in Sulzbach/Saarland. Im Sommer 1937 übernimmt er von Albert E. Henselmann die Freie Akademie Mannheim. 1949 ernennt ihn die Kunstakademie Karlsruhe zum Professor für Bildhauerei. Er stirbt unerwartet 1957.

Zur Arbeit

Die Wandreliefs im 1. OG der Universität (Schloss Ost) entstehen 1955 im Rahmen des Wiederaufbaus nach der fast vollständigen Zerstörung des Gebäudes im 2. Weltkrieg. Sie sind ein sogenanntes Kunst-am-Bau-Objekt. Carl Trummer ist vor der Aufgabe gestellt, die beiden Wandflächen zwischen den Eingängen zu den beiden Hörsälen der damaligen Wirtschaftshochschule so zu bespielen, dass die Reliefs nicht wie ein weiterer Baukörper wirken, sondern Mauern und Decke in die Gestaltung eingebunden sind und die Arbeit trotzdem eine Dynamik in den Raum hinein entwickelt.
Steigt man die Treppe in das 1. OG hoch, sind die beiden Wände links und rechts mit je einem Relief gestaltet.

Trummer, Schloss
Universitätsarchiv Mannheim
Trummer Schloss
Universitätsarchiv Mannheim

Das Relief ist ganz dem Denken und Zeitgeist der 1950er-Jahre verbunden und kann in einigen Aspekten auch nur aus diesem Kontext heraus verstanden werden. Im Archiv der Universität hat sich ein Text, leider ohne Autorenangabe, mit Erläuterungen zu Trummers Arbeit erhalten.

Die linke Wand stellt die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit dar, ganz auf die Praxis bezogen, mit allen ihren Prozessen. In der Mitte, sitzend, zwei Ingenieure, die eine Art Maschine entwerfen, die sich über ihren Köpfen erhebt. Unter ihnen die Köpfe zweier Arbeiter, die dieser Text als „das Tragende, den Humus der Wirtschaft“ beschreibt. Rechts davon ein Mann, der den Betrieb bzw. die „Firma“ symbolisiert, also die Ideen der Ingenieure in die Praxis umsetzt. Links oben, über der Tür, das fertig verpackte Produkt, das abtransportiert wird, angedeutet mit einem Schiffskiel.

Die rechte Wand stellt die Volkswirtschaft dar. Sie symbolisiert das Wissen, das an der Hochschule vermittelt wird. Die dreiteilige Figur hat verschiedene Aspekte: In der Mitte der Hochschullehrer, der das Wissen und die Ideen vermittelt mit einem lateinischen Zitat von Vergil „mens agitat molem“ – der Geist bewegt die Materie. Der Mann rechts davon überführt die Ideen in Gesetze. Der Mann links symbolisiert den politischen Aspekt der Wirtschaft. Die Linien und Kurven unter seiner Hand stellen deren Kräfte und Bewegungen dar. Über dem „Triumvirat“, fast bis zur Decke reichend, weitere Symbole: die Zeit, die durch die Sonnenuhr repräsentiert ist. Und das kleine Quadrat darunter, für die Beharrlichkeit stehend.
Aber um all dies zu erreichen – rechts über der Tür – bedient man sich der damaligen modernen Mittel des Telefons und des Fernschreibers (Vorläufer des Faxgerätes) – die natürlich, ganz im Zeitgeist, von den Frauen im Büro bedient werden (sic!).
Und die Studenten, die dieses Wissen vermittelt bekommen, sind natürlich auch vertreten: rechts unten sitzt einer exemplarisch für alle in einer Bankreihe des Hörsaals. Und das A(lpha) und O(mega) mahnt ihn, die Zeit zu nützen und sich auf den Kern der Sache zu konzentrieren. (SK)