• Künstler:in Elisabeth Tutti Veith
  • Titel Wandreliefs und Brunnenanlage
  • Jahr 1969
  • Kategorie Brunnen
  • Material Granit und Keramik
  • Objektmaße (ohne Sockel) h 338 cm, L 1060 cm bzw. 900 cm lang (Reliefwände)
  • Standort aktuell / Jahr Innenhof des Finanzamtes L 3, 68161 Mannheim

Elisabeth Veith (1922–2004)

Elisabeth Veith, von allen nur Tutti genannt, wird als Tochter eines Mannheimer Architekten geboren und wächst in der Stadt auf. Früh besucht sie Kurse an der Freien Kunstakademie Mannheim, wo sie den Bildhauer Karl Trummer kennenlernt. Während des Zweiten Weltkriegs zieht die Familie aufs Land, nach Grünsfeld im Main-Tauber-Kreis, wo Veith eine Steinmetzlehre absolviert. Nach dem Krieg kehrt sie zunächst an die Akademie zurück, studiert Bildhauerei bei Trummer und wird schließlich seine Assistentin an der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste, wo er ab 1947 die Bildhauerklasse leitet.

Als ihr Lehrer 1957 unerwartet stirbt, wagt Tutti Veith einen Neustart: Sie geht in eine Töpferwerkstatt in Nieder-Olm bei Mainz und lernt die Keramik von Grund auf. Sie stellt Gebrauchskeramik her, gibt Kurse an der Volkshochschule und baut sich Schritt für Schritt eine wirtschaftliche wie künstlerische Unabhängigkeit auf. Das ist für eine Frau in dieser Zeit immer noch nicht selbstverständlich. Parallel entstehen freie Keramikskulpturen, und bald erhält sie Aufträge für Kunst-am-Bau-Projekte an öffentlichen Gebäuden, Schulen, Kindergärten, Schwimmbädern und Kirchen. Ihr Gesamtwerk umfasst über 40 baugebundene Keramiken allein bis 1989.

Zur Arbeit

Im Innenhof des Finanzamts Mannheim (L 3, 10) befand sich ein umfangreiches Kunst-am-Bau-Projekt Veiths: ein Ensemble aus zwei großen Keramikwänden und einer Brunnenanlage, entstanden 1968/69 im Auftrag des staatlichen Hochbauamts Baden-Württemberg. Die beiden Wände sind jeweils 3,38 Meter hoch und zwischen neun und fast elf Meter lang.

Veith Finanzamt
Foto: O. Lahr
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Foto: O. Lahr

Sie bestehen aus Hunderten von handgefertigten Keramikkacheln in Blau-, Türkis- und Brauntönen mit einem kräftigen Relief. Für die Oberflächen nutzt Veith eine ungewöhnliche Technik, die sie selbst „Schlagen" nennt: Sie drückt alltägliche Gegenstände wie Hammerstiel, Teigschaber, Löffel oder Kantstäbe mit voller Kraft in den noch feuchten Ton. So entstehen serielle Muster, die sich über mehrere Kacheln hinziehen und im Zusammenspiel an z. B. an eine strahlende Sonne erinnern. Die Kacheln wurden von ihr in der renommierten Majolika Manufaktur in Karlsruhe gefertigt.

Veith Finanzamt
Foto: O. Lahr
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Foto: O. Lahr

Den Mittelpunkt des Ensembles bildet eine Brunnenanlage aus neun versetzt angeordneten Stelen, aufgebaut aus glasierten Keramikblöcken mit lebhafter, gefurchter Oberfläche. Das Wasser plätscherte aus unterschiedlichen Höhen in ein flaches Becken, das jedoch schon 2021 trockengelegt war. Die 41 Brunnenelemente brennt Veith im eigenen Ofen.

Veith Finanzamt
Foto: O. Lahr
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Foto: O. Lahr

Im Zuge einer umfassenden Sanierung des Gebäudes wurden die Wandreliefs in den Innenraum integriert und können dort dauerhaft erhalten werden. Eine große Glasscheibe trennt sie fortan vom Außenraum. Ab Oktober 2026 sind sie dort wieder zu sehen. Der Brunnen wurde abgebaut, die Einzelteile der Stelen von den Eisenstäben befreit und eingelagert. Es ist geplant, ihn nach den Sanierungsarbeiten wieder in Betrieb zu nehmen (voraussichtl. Frühjahr 2027). (SD)