• Künstler:in Matthias Dämpfle
  • Titel Schulkinder Mozartschule R2
  • Jahr 2006
  • Kategorie Plastik
  • Material Sandstein
  • Standort aktuell / Jahr Mozartschule R 2, 68161 Mannheim, 2006

Matthias Dämpfle (*1961)

Matthias Dämpfle ist Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg und lebt und arbeitet in Freiburg im Breisgau. Als der Bildhauer 2006 den Auftrag für die Figuren erhält, hat er bereits mehrere Werke in Süddeutschland vorzuweisen, so die Skulpturengruppe „Einstein unterhielt sich mit Leonardo“ am Forschungszentrum Karlsruhe, das Bildwerk für den Humanisten Johannes Reuchlin am Schmuckmuseum Reuchlinhaus in Pforzheim, die Skulpturengruppe „Tatortbeschreibung“ am Bahnhof in Hinterzarten und den „Rohblock“ im Kurpark von Grafenhausen/Schwarzwald.

Zur Arbeit

Das 1917 nach den Plänen des Stadtbaudirektors Richard Perrey (1866–1937) erbaute Schulhaus in R 2 besaß zwei Schulhöfe. Die Eingangspfeiler des ehemaligen Mädchenhofs, der nach R 1 ausgerichtet ist, schmücken zwei weibliche Schulkinderfiguren. Die Pfeiler des Schulhofs für die Jungen sind mit zwei Knabenpaaren geschmückt. Entworfen sind die Bauplastiken von einem Bildhauer mit dem Namen Hoffmann. Im oder nach dem Zweiten Weltkrieg gehen sie verloren.

2004 ruft eine Aktion der Grundschüler die verloren gegangenen Figuren des Schulhofs in Erinnerung. Schüler und Lehrer rekonstruieren die Sandsteinfiguren aus Gips in einer vereinfachten Form. Die temporäre Aufstellung am nunmehr einzigen Schulhof erregt viel Aufsehen. Der Verein Stadtbild e. V. nimmt den Wunsch der Mozartschule auf und lässt die Figurengruppen mit Sponsorengeldern nach alten Fotos aus Sandstein rekonstruieren.

Matthias Dämpfle, Schulkinder Mozartschule R2
Foto: 1917, MARCHIVUM
Matthias Dämpfle, Schulkinder Mozartschule R2
Foto: 2004, V. Keller

Schule und Verein einigen sich auf eine Modifizierung der historisch belegten Figuren: Mädchen und Jungen sollen nicht mehr getrennt stehen. Zudem soll eines der beiden Paare das Aussehen von 1917, die andere Figurengruppe aber die Anmutung von 2006 erhalten.
Beauftragt wird der Bildhauer Matthias Dämpfle. Er lässt die Kinder der Mozartschule Modell stehen und arbeitet mit historischen Fotovorlagen. Am 19. Dezember 2006 werden die Plastiken in einer Feierstunde an die Stadt Mannheim übergeben. Sie sind ein Geschenk des Vereins zum Stadtjubiläum 2007 und auch ein Beitrag anlässlich des 250. Geburtstag von Mozart im Jahr 2006.

Matthias Dämpfle, Schulkinder Mozartschule R2
Foto: V. Keller
Matthias Dämpfle, Schulkinder Mozartschule R2
Foto: V. Keller

Den rechten Pfeiler ziert ein Schulkinderpaar, gekleidet wie in den 1920er-Jahren. Ein Junge mit Ballonmütze deutet auf eine Buchseite, das das kleinere Mädchen aufgeschlagen vor sich hält. Er scheint ihr etwas zu zeigen oder vorzulesen, was sie aufmerksam und ernst betrachten. Die Figuren lehnen an einer von Efeu umrankten Mauer. Eine Katze schaut neugierig nach hinten in den Schulhof.

Im Gegensatz dazu steht das Kinderpaar auf dem linken Pfeiler. Der Junge, kleiner als das Mädchen, lässt sich von ihr einen Ort auf der Erdkugel zeigen. Entspannt, die Hände in den Taschen der schlabberigen Hose, den Scout-Ranzen auf dem Rücken, folgt sein Blick dem Zeigefinger des Mädchens. Die Schülerin, zwanglos und unaufgeregt, hält den Globus wie einen Ball und deutet auf eine Stelle. Aus dem vollen Bücherregal der Rückseite schaut ein Teddybär. Der Sockel zeigt die Jahreszahl 2006. Der von dem Schulmädchen gehaltene Globus, der auch ein Spielball sein könnte, erinnert an das Jahr der in Deutschland ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft.

Für den Bildhauer Matthias Dämpfle steht der Erdball als Symbol, dass den Kindern von heute die ganze Welt offensteht. Die Schüler:innen der Mozartschule kommen heute aus vielen verschiedenen Ländern. Auch die Darstellung des modernen Kinderpaars verweist auf ein verändertes Rollenbild der Kinder in der heutigen Gesellschaft im Vergleich zu 1917. (VK)