Elisabeth Veith (1922–2004)
Elisabeth Veith, von allen nur Tutti genannt, wird als Tochter eines Mannheimer Architekten geboren und wächst in der Stadt auf. Früh besucht sie Kurse an der Freien Kunstakademie Mannheim, wo sie den Bildhauer Karl Trummer kennenlernt. Während des Zweiten Weltkriegs zieht die Familie aufs Land, nach Grünsfeld im Main-Tauber-Kreis, wo Veith eine Steinmetzlehre absolviert. Nach dem Krieg kehrt sie zunächst an die Akademie zurück, studiert Bildhauerei bei Trummer und wird schließlich seine Assistentin an der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste, wo er ab 1947 die Bildhauerklasse leitet.
Als ihr Lehrer 1957 unerwartet stirbt, wagt Tutti Veith einen Neustart: Sie geht in eine Töpferwerkstatt in Nieder-Olm bei Mainz und lernt die Keramik von Grund auf. Sie stellt Gebrauchskeramik her, gibt Kurse an der Volkshochschule und baut sich Schritt für Schritt eine wirtschaftliche wie künstlerische Unabhängigkeit auf. Das ist für eine Frau in dieser Zeit immer noch nicht selbstverständlich. Parallel entstehen freie Keramikskulpturen, und bald erhält sie Aufträge für Kunst-am-Bau-Projekte an öffentlichen Gebäuden, Schulen, Kindergärten, Schwimmbädern und Kirchen. Ihr Gesamtwerk umfasst über 40 baugebundene Keramiken allein bis 1989.
Zur Arbeit
An der Konrad-Duden-Realschule sind gleich zwei Wandreliefs von Tutti Veith erhalten, eines außen, eines im Inneren des Gebäudes. Beide Arbeiten sind ca. 1983 entstanden, dem Jahr der Schuleinweihung.
Das Relief an der Außenwand besteht aus 42 einzelnen Tonkacheln, die sich farblich in das rötliche Ziegelmauerwerk einfügen. Die Kacheln sind nicht in die Wand eingelassen, sondern auf ihr montiert. An den Rändern des Reliefs sind die Kacheln beschnitten, um eine rundliche Kontur zu erzeugen.
Im Flur des Schulgebäudes befindet sich ein zweites, deutlich größeres Relief in gleicher Machart: roter Ton, auf Backstein montiert, mit ähnlich rundlichen Konturen, an denen stellenweise auch eckige Kacheln angesetzt sind.
Die Oberflächengestaltung beider Reliefs ist besonders vielfältig und spielerisch. Die Strukturen wirken sehr organisch, wie der Natur entnommen. Dadurch ruft die lebhafte, gefurchte Oberfläche Assoziationen an Tiere und Pflanzen hervor.
Für das kräftige Relief der Kachelflächen nutzt die Künstlerin eine ungewöhnliche Technik, die sie selbst „Schlagen" nennt: Sie drückt alltägliche Gegenstände wie Hammerstiel, Teigschaber, Löffel oder Kantstäbe mit voller Kraft in den noch feuchten Ton. So entstehen die seriellen Muster, die sich über mehrere Kacheln hinziehen. (SD)